Mitte 2027 sperrt Ardo das Werk in Groß-Enzersdorf zu. Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) hat nach eigenen Angaben eine Handvoll ernst zu nehmender Interessenten. Namen nennt er nicht.
Zwei Modelle liegen auf dem Tisch: Bestehende Betriebe verarbeiten mehr Marchfelder Gemüse, oder es entsteht eine neue Anlage. efko spricht bereits mit der Politik, Spar setzt auf Schneider’s Gemüseland, und Agrana bietet das Areal der alten Zuckerfabrik in Leopoldsdorf an.
Spinat-Alarm
Besonders heikel wird es bei Blattgemüse, denn Spinat braucht Spezialanlagen. Auch Rotkraut droht auszugehen. Heimische Tiefkühlware ist laut Pernkopf nur bis Oktober 2027 verfügbar. Danach wird es „brenzlig”.
Kampfansage der Belgier
Das Werk liefert 80 Prozent des heimischen Tiefkühlgemüses. Ardo lehnte jede Übergangslösung, Verkauf und Verpachtung ab, denn der Konzern will sich keinen Konkurrenten schaffen. Pernkopf nennt das eine „Kampfansage gegen Österreich”. Nicht einmal die Spezialmaschinen möchte man verkaufen, da man keine Konkurrenz duldet.
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Gemeinsame Sache bei Ardo: VPNÖ, FPÖ und SPÖ
Ziemlich einzigartig und ungewöhnlich: im Land gibt es einen Schulterschluss über Parteigrenzen hinweg, um Produktion von Tiefkühlgemüse in Niederösterreich zu sichern – es wird am Donnerstag eine gemeinsame Aktuelle Stunde im NÖ Landtag von VPNÖ, FPÖ und SPÖ kommen. Damit möchte man den Druck auf den Konzern noch einmal erhöhen und einen klaren politischen Schulterschluss demonstrieren. Die gemeinsame Sache steht unter dem Motto: "NÖ kämpft für Arbeitsplätze, Bauern und heimische Lebensmittelversorgung – Versorgung mit Tiefkühlgemüse sichern“.
In einer von VPNÖ-Klubobmann Hackl am Dienstag Morgen dringenden Aussendung heißt es: "Ein Konzern will sich offenbar im Eiltempo eines Standorts entledigen und nimmt dabei in Kauf, dass Arbeitsplätze verloren gehen, bäuerliche Familienbetriebe in ihrer Existenz gefährdet werden und eine gesamte österreichische Produktionskette zerstört wird."
Gewerkschaften PRO-GE und GPA zu Ardo: Beschäftigte brauchen eine Zukunftsperspektive
Die Produktionsgewerkschaft PRO-GE und die Gewerkschaft GPA begrüßen, dass Bund und Land weiterhin nach Lösungen suchen, um die heimische Tiefkühlgemüseproduktion im Marchfeld zu erhalten.
"Auch das Land Niederösterreich muss jetzt einen Beitrag zur Unterstützung der Beschäftigten leisten und endlich eine permanente Arbeitsstiftung auf den Weg bringen. Wer gerade um seinen Arbeitsplatz fürchtet, darf nicht auch noch auf die Politik warten müssen!", heißt es in einer Aussendung der Gewerkschaften.
Ardo-Werk Groß-Enzersdorf: Koordinierter Rettungsplan statt Vertröstungs-Videos
Scharfe Kritik übt Helga Krismer zudem am schwarz-blauen Krisenmanagement rund um das Ardo-Werk in Groß-Enzersdorf: "Fakt ist: Wir haben es mit einer abgewrackten Werksniederlassung zu tun, in die kein einziger Cent Steuergeld mehr versenkt werden darf. Aber das planlose Beschwichtigen und die Videobotschaften von Landesrat Stephan Pernkopf helfen weder den 500 betroffenen Bäuerinnen und Bauern noch den Beschäftigten. Ich sehe keine strukturierte Koordination zwischen Johanna Mikl-Leitner als Wirtschaftsreferentin und ihrem Stellvertreter Stephan Pernkopf, der für Landwirtschaft zuständig ist".
Helga Krismer skizziert einen konkreten Drei-Punkte-Plan zur Rettung der Gemüseproduktion im Marchfeld:
Zentrale Koordination einsetzen: Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (Wirtschaft) und Landesrat Stephan Pernkopf (Landwirtschaft) müssen Koordinator einsetzen. Helga Krismer schlägt den ecoplus-Geschäftsführer, Helmut Miernicki, vor, der die Historie des Standorts genau kennt und über "Elefanten-Wissen" verfügt. Neuer Standort: Für einen zukunftsfähigen Neubau bieten sich freie Flächen im Wirtschaftspark Marchegg (ecoplus) in 30-minütiger oder in Leopoldsdorf in 15-minütiger Entfernung (Agrana/Raiffeisen) an. starke Genossenschaft: Ähnlich dem Modell der Milchgenossenschaft NÖ (NÖM) muss die Erzeugergemeinschaft aufgestellt werden. Finanzierung/Beteiligung: Als starker Bankpartner muss die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien mit an Bord geholt werden. Neue Gesellschaft: Wie bei der NÖM AG ist eine Aktiengesellschaft zu überlegen, damit die ErzeugerInnen an Bord sind.
"Bis spätestens November müssen Nägel mit Köpfen gemacht und Maschinen am internationalen Markt gesichert werden, damit innerhalb von 12 bis 15 Monaten ein modernes Werk steht. Die ÖVP muss jetzt beweisen, ob sie tiefgekühlte Antworten herbeischaffen, statt warme Luft zu produzieren", so Helga Krismer abschließend.
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