Brisante Details

Morgenstern-Heli: Deshalb stiegen Eurofighter nicht auf

Eurofighter am Boden bei Nacht, oben rechts ein fliegender Hubschrauber Robinson R44.
© Bundesheer, Instagram
Das Bundesheer hatte den gestohlenen R44-Hubschrauber von Thomas Morgenstern zwar radartechnisch erfasst, die alarmierten Eurofighter blieben jedoch am Boden. Dafür gibt es offenbar mehrere Gründe.
OE24 auf Google bevorzugen

Slzbg. Weiteres Tagesgespräch ist der Diebstahl eines Hubschraubers aus einem Hangar in Mauterndorf in Salzburg in der Nacht auf Montag, dem 28. September. Wie nun bekannt wurde, kam der Betreiber des Flugplatzes und direkte Anrainer den Coup in der vollmondhellen Nacht mit: Er sei gegen 1.30 Uhr munter geworden, weil er Hubschrauber-Geräusche gehört hatte: "Er flog mir vor der Nase davon."

So etwas hat es tatsächlich nicht gegeben: Dass eine hochversierte Bande - die neben einem Piloten auch einen Komplizen mit Kenntnissen in Flugzeug- und Heli-Mechanik dabei gehabt haben muss und von weiteren Komplizen zielgenau zum Hangar chauffiert worden waren - von dort einen der auffälligsten Helis im Breitling-Design entwendeten bzw. entwenden konnten. Und nicht nur das: Zusätzlich zapften sie 365 Liter AVGAS-Flugbenzin ab, obwohl der Standardtank nur etwa 170 Liter fasst. Was auch für eine minutiöse Planung spricht: Alle Sicherheitskameras am Flughafen wurden ausgeschaltet und alle lokalen Webcams abgedeckt. Zudem waren Transponder und ELT entfernt worden, der (Tief-)Flug mutmaßlich in Richtung Kroatien und weiter auf den Balkan quasi unsichtbar.

Thomas Morgenstern veranstalte mit dem Heli Rundflüge, letzter Besitzer war der mit ihm befreundete Gastronom Manuel Aster.
Thomas Morgenstern veranstalte mit dem Heli Rundflüge, letzter Besitzer war der mit ihm befreundete Gastronom Manuel Aster. © instagram/thomasmorgensternhelic

Hubschrauber sogar mehrmals registriert

Wie ein Sprecher von Austrocontrol erklärt, könne man mit Sekundärradaranlagen das Fluggerät nicht orten, da der Transponder abgeschaltet bzw. ausgebaut war. Dafür habe das Bundesheer die Möglichkeit gehabt, den Hubschrauber mittels Primärradar zu orten. Was auch passiert ist, wie jetzt Generalmajor Gerfried Promberger, Kommandant der österreichischen Luftstreitkräfte, gegenüber der Kleinen Zeitung zugab. Demnach wurde die Maschine sogar mehrfach registriert. Doch die Eurofighter blieben am Boden. Die Gründe:

+ Eine bloße Radarspur ohne aggressives Verhalten oder das Überfliegen sensibler Sperrzonen stellt für das Militär noch keine unmittelbare Bedrohung dar, weshalb die strengen Checklisten für einen Abfangjäger-Einsatz im konkreten Fall nicht ausgelöst worden seien.

+ Der (kleine) Flughafen Mauterndorf liegt in einem unkontrollierten Luftraum, in dem zivile Luftfahrzeuge keine explizite Freigabe benötigen. Piloten können auf eigene Verantwortung und eigenem Ermessen am Flugplatz bewegen  - und starten.

Spur führt auf den Balkan

+ Wenn eine Robinson R44 nachts in Bodennähe mit beispielsweise 120 km/h fliegt, liegt das deutlich unter der Mindestgeschwindigkeit eines Eurofighters; zum Abfangen müssten langsamere Flugzeugtypen bzw. Hubschrauber zum Zug kommen. Übrigens kostet eine Stunde Eurofighter, der selten allein aufsteigt, um die 75.000 Euro.

Offen bleibt weiterhin, welchen Weg die Maschine tatsächlich genommen hat. Nach bisherigen Infos soll die Spur bis nach Kroatien auf die Insel Pag führen, wo es eine Sichtung oder Ortung gab. Mit dem zusätzlichen Sprit dürften die Bande allerdings weiter nach Albanien oder Nordmazedonien geflogen sein.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden