Europas größter Billigflieger Ryanair stellt Passagiere auf spürbare Teuerungen ein: Wegen explodierender Kerosinpreise droht im kommenden Jahr ein kräftiger Preissprung bei Flugtickets von bis zu 20 Prozent. Konzernchef Michael O’Leary warnt vor einer massiven Kostenklippe für die gesamte europäische Luftfahrtbranche.
Ryanair will wegen milliardenschwerer Mehrkosten für Kerosin auch den Rotstift bei den Beschäftigten ansetzen. "Alles ist auf dem Tisch", sagte Finanzchef Neil Sorahan zu möglichen Gehalts-Nullrunden. Für kommendes Geschäftsjahr Mehrausgaben von rund zwei Milliarden Euro erwartet.
Düstere Prognose für Europas Flugpassagiere
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Reisende in ganz Europa müssen sich ab dem kommenden Jahr auf empfindlich höhere Ticketpreise gefasst machen. Ryanair-Chef Michael O’Leary kündigte in einem Interview mit dem US-Wirtschaftssender CNBC an, dass die Flugpreise europaweit um 10 bis 20 Prozent anziehen dürften. Der Grund für den bevorstehenden Preisschub liegt in den stark steigenden Kosten für Flugtreibstoff und dem schrittweisen Auslaufen vorteilhafter Absicherungsgeschäfte.
“Wir blicken auf das Jahr 2027 mit deutlich höheren Ölpreisen. Ich gehe davon aus, dass diese Kosten in Form von deutlich höheren Flugpreisen weitergegeben werden.”
Ryanair-Chef Michael O’Leary
Auch bei anderen europäischen Airlines sieht O’Leary deshalb erhebliche Risiken. Steigende Treibstoffkosten könnten sich auf die Ticketpreise auswirken.
Während die Kunden über die vergangenen zwölf Monate noch vor den Preissprüngen am Rohstoffmarkt geschützt waren, laufe dieser Puffer nun aus. Die anhaltenden Spannungen und der fehlende Friede im Nahen Osten treiben die Rohölpreise unerbittlich nach oben. Der Preis für Kerosin liegt aktuell bei rund 170 US-Dollar pro Barrel. O’Leary bezeichnet die Situation als "sehr bedeutende Kostenklippe", vor der ausnahmslos alle Airlines stehen.
Halbjahresgewinn bricht um 15 Prozent ein
Die finanzielle Belastung zeigt sich bereits schwarz auf weiß in den aktuellen Geschäftszahlen der irischen Fluggesellschaft. Im ersten Geschäftshalbjahr musste Ryanair einen Gewinnrückgang von 15 Prozent auf 2,15 Milliarden Euro (rund 2,3 Milliarden US-Dollar) verbuchen. Haupttreiber für diesen Rückgang war der Umstand, dass sich der Preis für die ungesicherten 20 Prozent des benötigten Kerosins schlichtweg verdoppelt hat.
Ryanair rechnet für das nächste Jahr mit Treibstoff-Mehrkosten von schätzungsweise zwei Milliarden Euro (rund 2,2 Milliarden US-Dollar). Das Management betont, dass diese enorme Summe durch bloße Erhöhungen der Flugpreise auf der Kurzstrecke nicht vollständig aufgefangen werden kann. Aus diesem Grund schnürt der Vorstand ein umfassendes internes Spar- und Effizienzprogramm:
- Kürzung der Verpflegungsrationen für die Bordbesatzung
- Prüfung einer potenziellen, temporären Gehaltsnullrunde für Mitarbeiter
- Forcierter Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) zur internen Prozessoptimierung
- Strenges Kostenmanagement in sämtlichen operativen Abteilungen
Bereits im vergangenen September zog der Billigflieger die Notbremse und senkte das Passagierziel für das Gesamtjahr von 216 Millionen auf 214 Millionen Fluggäste. Damit will Ryanair das finanzielle Risiko durch ungesicherten Treibstoff in den Wintermonaten minimieren. Für den Zeitraum von November bis März rechnet die Airline nur noch mit einem Passagieraufkommen auf Vorjahresniveau.
Trotz der aktuellen Herausforderungen steht Ryanair bilanziell kerngesund da. Nach Rückzahlung von Altschulden in Höhe von 1,3 Milliarden Euro wies das Unternehmen per 30. September liquide Mittel von 2,6 Milliarden Euro aus. O’Leary betonte stolz: "Wir haben heuer alle Schulden getilgt, wir haben effektiv null Schulden und 650 Flugzeuge in der Bilanz. Wir sind extrem cash-positiv."
Ob die Preise tatsächlich im angekündigten Ausmaß steigen, bleibt abzuwarten. O’Learys Prognose zeigt jedoch, dass Urlauber 2027 mit deutlich höheren Flugkosten rechnen müssen.
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