Schule blockiert

Vereinzelte Gewalt bei Schülerprotesten in Frankreich

Eine Gruppe von Menschen steht mit Protestschildern vor einer Bushaltestelle in Paris.
© APA/AFP/THOMAS SAMSON
Nach einem Tag mit Massenkundgebungen ist es am Freitag in Frankreich erneut in mehreren Städten zu vereinzelter Gewalt bei Schülerprotesten gekommen.
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Die Regierung meldete etwa 20 blockierte Oberschulen, Schülerverbände sprachen von 500 betroffenen Schulen. In Toulouse bildeten mehrere Dutzend Schulleiter eine Menschenkette, um gegen Gewalt zu protestieren. Für Montag ist eine erste Debatte über das viel kritisierte Bewerbungsverfahren für Hochschulen geplant.

In Paris griff bereits in den frühen Morgenstunden die Polizei ein, um Blockaden zu verhindern. Mehrfach wurden Lehrer Opfer von Gewalt: In der Pariser Vorstadt Argenteuil und in Lyon wurden Lehrkräfte durch Böller verletzt. In Lyon griff ein Mülltonnen-Brand auf das hölzerne Eingangsportal einer Schule über. In Bordeaux verbreiteten sich in Onlinediensten Todesdrohungen gegen manche Lehrer sowie Aufrufe, bewaffnet zur Schule zu kommen.

Schulleiter werden bedroht

Nach einem Brand in einer Schule in Toulouse am Vortag protestierten zahlreiche Schulleiterinnen und Schulleiter gegen die Gewalt. Der Initiator Yvon Manac'h beklagte eine zunehmende Radikalisierung der Proteste. "Manche Schulleiter werden in Social Media bedroht, andere werden angerempelt oder verletzt", sagte er und forderte tiefgreifende Reformen im Bildungswesen. Zugleich zeigte er Verständnis für das "Leid der Jugend, die nicht mehr an den sozialen Aufstieg glaubt". Bildungsminister Edouard Geoffray betonte seinerseits, dass es illegal sei, Schülerinnen und Schüler davon abzuhalten, den Unterricht zu besuchen. Er kündigte bei Zuwiderhandlung Sanktionen an.

Vertreter von Schülern, Lehrern und Regierung sollen am Montag eine Debatte über eine Reform des zentralen Bewerbungsverfahrens Parcoursup aufnehmen, das von vielen als undurchsichtig und ungerecht empfunden wird. Die Regierung hatte eine Reform für 2027 und die Abschaffung von Parcoursup 2028 versprochen. Allerdings betrifft die Kritik letztlich nicht die Onlineplattform, sondern Hochschulen und Ausbildungsstätten selbst, die ihre Auswahlkriterien nicht offenlegen.

Die Schülerinnen und Schüler fordern außerdem weniger Lehrerausfälle, kürzere Schultage und besser ausgestattete und isolierte Schulgebäude. Die Schülerproteste hatten Mitte September begonnen und liefen dann mit den Protesten der Gewerkschaften und der Gelbwestenbewegung zusammen, die sich gegen hohe Lebenshaltungskosten richten.

Für Samstag erneut Kundgebungen geplant

Am Donnerstag hatten erstmals alle drei Gruppen gemeinsam zu einem Protesttag aufgerufen, bei dem mehrere Hunderttausend Menschen auf die Straße gingen. Für Samstag sind erneut Kundgebungen geplant. Dabei will die Gelbwestenbewegung in Paris an einer nicht genehmigten Kundgebung in der Innenstadt festhalten. Die nationalen Gewerkschaftsverbände wollen ihrerseits eine von Premierminister Sébastien Lecornu einberufene Sozialkonferenz am Montag abwarten.

Am Donnerstag waren landesweit zwischen 575.000 und 1,6 Millionen Menschen für höhere Löhne und bessere Bedingungen an Schulen und Universitäten auf die Straße gegangen. Am Rande der Kundgebungen gab es in mehreren Städten gewaltsame Auseinandersetzungen. Nach offiziellen Angaben wurden 642 Menschen festgenommen und 112 Sicherheitskräfte verletzt. Zu zivilen Verletzten gab es keine Angaben.

Unterdessen kündigten die Anwälte von 18 Menschen, die bei Demonstrationen der vergangenen Wochen verletzt worden waren, eine Klage gegen Innenminister Laurent Nuñez an. Dieser war wegen des häufig brutalen Vorgehens der Sicherheitskräfte in die Kritik geraten.

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