Dreister Betrug

Achtung vor diesem TikTok-Franzosen

Der virale Internet-Star Jean Philanthrope begeistert Millionen Menschen auf Social Media. Doch der schrille Schattenboxer nutzt den enormen Hype, um eine dubiose Kryptowährung zu bewerben.
OE24 auf Google bevorzugen

Wer auf Social Media unterwegs ist, trifft fast garantiert auf Jean Philanthrope: Einen seltsam gekleideten Franzosen mit blondem Bob und gezwirbeltem Schnurrabart. In Pariser Cafés fängt er beim Gebäck, bei Austern oder beim Drink plötzlich ohne ein Wort mit Schattenboxen an. Seine Instagram-Biografie besteht schlicht aus den zwei Wörtern "Oui Madame.".

Riesiger Erfolg wirft Fragen auf

Das Konzept zündet extrem gut: Über 235’000 Follower auf Instagram schauen zu, während das erfolgreichste Video satte 1,6 Millionen Likes sammelt. Doch der Ruhm wirft Fragen auf, denn Follower rätseln bereits, ob der Schattenboxer KI-generiert sei. Beweisen konnte das zwar noch niemand, die Wahrscheinlichkeit ist aber hoch. Klar ist jedenfalls: Er schlägt Kapital aus dem Ruhm und promotet seinen eigenen Kryptocoin namens $JEANPHIL.

Bekanntes Schema beim Betrug

Dahinter steckt ein bekanntes Betrugsmuster: Das sogenannte "Pump and Dump". Abzocker erstellen eine wertlose Digitalwährung und erzeugen einen Hype für viele Käufe. Schießt der Preis hoch (Pump), verkaufen die Macher schlagartig ihre Bestände mit Gewinn (Dump). Genaue Summen lassen sich bei anonymen Krypto-Wallets nicht bestimmen, aber Blockchain-Spuren zeigen ein klares Bild. Auf dem Peak lag die Liquidität bei rund 190'000 bis 415'000 Dollar. Durch das Abstossen eigener Insider-Bestände und das Leeren der Pools dürften die Erfinder etwa 100'000 bis 500'000 US-Dollar Reingewinn mitgenommen haben.

Anleger bleiben auf Müll sitzen

Für die Anlegenden endete die Sache im Finanz-Fiasko. Sobald die Gewinne im Trockenen waren, zog man den Stecker und der Kurs rauschte um über 99 Prozent ab. Zurück blieben wertlose Münzen. Dass Figuren wie Jean Philanthrope oder sein digitales Pendant Archibald Brown so schnell ein Publikum erreichen, ist kein Zufall. Moderne KI-Videogeneratoren machen es möglich, mit wenigen Klicks neue Gestalten zu erschaffen, falls eine Figur gesperrt wird. Die Netz-Anonymität schützt die Betrüger vor den Behörden.

Aber nicht nur KI-Figuren nutzen die Masche. Sogar US-Präsident Donald Trump lancierte drei Tage vor seiner Amtseinführung die Kryptowährung $TRUMP und rührte auf Truth Social die Trommel. Wie die "New York Times" berichtete, kassierten Trump und sein Umfeld Hunderte Millionen Dollar, während rund eine Million Kleinanleger Milliardenverluste einfuhren. Die Moral: Vorsicht vor Krypto-Hypes!

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