Hört Farben

Antenne im Kopf: DIESER Mann ist der erste Cyborg der Welt

© Getty Images
Neil Harbisson geht ungewöhnliche Wege. Der Künstler gilt als erster offiziell anerkannter Cyborg der Welt und macht seinen Körper zur Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine.
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Harbisson (44) wurde mit Achromatopsie geboren, einer seltenen Erbkrankheit. Er kann deshalb nur Schwarz, Weiß und Grautöne wahrnehmen. 2004 ließ sich der britisch-spanische Künstler eine Antenne in den Kopf implantieren. Sie übersetzt Lichtwellen in Schallsignale – so kann er Farben hören.

Was zunächst als technische Hilfe begann, wurde für Harbisson zu einem neuen Sinn. Er entdeckte, dass er über die Antenne nicht nur Farben unterscheiden, sondern auch verschiedene Frequenzen wahrnehmen kann. Inzwischen ist die Technik ein fester Bestandteil seiner Wahrnehmung.

Mit einer Krone will er das Zeitgefühl verändern

Doch Harbisson experimentiert längst mit weiteren technischen Erweiterungen. Mit einem sogenannten "Solar Crown"-Gerät will er sogar das menschliche Zeitempfinden beeinflussen.

Die Apparatur wird wie eine Krone auf dem Kopf getragen. Innerhalb von 24 Stunden wandert ein warmer Punkt einmal rund um den Kopf. Seine Position zeigt an, welche Uhrzeit gerade an einem bestimmten Ort der Welt herrscht. Befindet sich die Wärme etwa auf der Stirn, steht sie für Mittag in London.

Durch eine Veränderung der Geschwindigkeit, mit der sich der Wärmepunkt bewegt, soll sich auch das subjektive Zeitgefühl beeinflussen lassen. Das Gehirn gewöhnt sich an den neuen Sinneseindruck.

Immer mehr Menschen experimentieren mit Technik

Harbisson gründete gemeinsam mit der Künstlerin Moon Ribas die Cyborg Foundation. © Getty Images

Harbisson gründete gemeinsam mit der Künstlerin Moon Ribas die Cyborg Foundation. Ribas trägt einen Sensor, der Erdbeben auf der ganzen Welt registriert und die Erschütterungen als Vibrationen an ihren Körper weitergibt.

Auch der spanische Künstler Manel Muñoz nutzt technische Sensoren, um Veränderungen des Luftdrucks wahrzunehmen. Laut Harbisson hatten sich bis 2023 bereits rund zehn Menschen technische Erweiterungen nach diesem Vorbild implantieren lassen.

Wissenschaft beschäftigt sich mit neuen Sinnen

Was zunächst ungewöhnlich klingt, ist auch Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Unter dem Begriff "Sensory Substitution" untersuchen Fachleute, wie Informationen eines Sinnes über einen anderen vermittelt werden können. So lassen sich beispielsweise Kamerabilder in Töne oder Berührungsmuster übersetzen.

Auch künstliche Intelligenz sieht Harbisson als Chance. Für ihn ist Technik eine Möglichkeit, menschliche Fähigkeiten zu erweitern und die Grenzen zwischen Körper und Maschine neu zu definieren.

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