Der Egelsee (gelegentlich auch Eglsee genannt) im Lammertal gilt seit Generationen als idyllischer Rückzugsort abseits der großen Touristenmagnete des Salzburger Landes. Bis in die 1950er-Jahre wurde das Gewässer intensiv für Mooranwendungen damaliger Kurgäste genutzt, seit 1971 steht das gesamte Areal unter strengem Landschaftsschutz. Auf einem rund zweistündigen Rundwanderweg können Besucher die sanfte Hügellandschaft erkunden. Obwohl das Baden im Naturschutzgebiet verboten ist, entwickelte sich der Moorsee über Jahrzehnte hinweg zu einem geschätzten Wanderziel.
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Mittlerweile bietet sich Wanderern jedoch ein alarmierendes Bild: Vom eigentlichen Gewässer ist fast nichts mehr zu erkennen. Markus Gutjahr vom Tourismusverband Abtenau berichtet von bezeichnenden Begegnungen: Gäste kämen nach dem Spaziergang um den See oft zu ihren Vermietern zurück und erzählten erstaunt, sie hätten den See überhaupt nicht gesehen.
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Die Ursachen für den rasanten Niedergang des Moorsees sind vielschichtig:
- Kein natürlicher Zufluss: Das Stillgewässer wird ausschließlich durch Grundwasser und Niederschläge gespeist.
- Extremer Grundwassermangel: Nach vorangegangenen Dürresommern ist der Grundwasserspiegel massiv eingebrochen.
- Dramatischer Pegelstand: Das Wasser steht laut einem Bericht des ORF stellenweise nur noch wenige Zentimeter hoch.
- Aggressive Verlandung: Der dichte Schilfgürtel dehnt sich Jahr für Jahr unaufhaltsam weiter in das Moorbecken aus.
Rettungsplan scheitert an Grundbesitzern
Um das Naturdenkmal vor dem gänzlichen Verschwinden zu bewahren, dringt der Tourismusverband auf rasche Pflegemaßnahmen. Markus Gutjahr betont die Dringlichkeit: "Natürlich wäre es ideal, gerade bei diesem niedrigen Wasserstand, durch das Schneiden des Schilfes – dann sieht man den See leichter."
Rückendeckung gibt es grundsätzlich von den Landesbehörden: Das Land Salzburg hätte keine Einwände gegen einen Schilfschnitt in ausgewählten Abschnitten. Unter bestimmten Kriterien könnte ein derartiger Rückschnitt sogar finanziell gefördert werden. Fachleute betonen, dass junges Schilf in klar definierten Zonen aus Sicht des Naturschutzes unbedenklich sei und sich stellenweise sogar positiv auf die heimische Libellenfauna auswirke.
Doch die praktische Umsetzung ist blockiert. Für Eingriffe ist zwingend die Einstimmigkeit von fünf verschiedenen Grundbesitzern erforderlich. Genau an dieser Hürde scheitert die Rettung bislang:
- Die Eigentümer vertreten teils völlig gegensätzliche Interessen und Ansichten.
- Ein einheimischer Bauunternehmer hofft dem Bericht zufolge auf eine weitergehende touristische Erschließung des Areals.
- Andere Grundeigentümer pochen auf die strengen Naturschutzauflagen und fordern, den See gänzlich unberührt zu lassen.
Bürgermeister dämpft Hoffnungen auf Rettung
Die Gemeindeführung blickt skeptisch in die Zukunft des Gewässers. Der Abtenauer Bürgermeister befürchtet, dass der Egelsee infolge der immer häufigeren Trockenphasen seinen touristischen Reiz auf Dauer einbüßen wird. Eine vollständige Rückkehr zum früheren Zustand bezeichnet das Ortsoberhaupt nüchtern als reines Wunschdenken.
Dabei besitzt das Moorgebiet eine unersetzliche ökologische Bedeutung. Eingebettet in die Gebirgskulisse dient das Feuchtbiotop mit seinen schilfbewachsenen Uferzonen zahlreichen bedrohten Tieren als Rückzugsraum. Unter anderem Graureiher, seltene Amphibienarten, Fische sowie Schlangen finden in der geschützten Moorlandschaft ihren Lebensraum. Ob dieser Lebensraum ohne menschliches Eingreifen erhalten bleibt, ist ungewisser denn je.
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