Kosten-Schock

Diesel zu teuer: 203 Passagiere müssen Luxus-Schiff verlassen

© APA
Jahrelang auf Weltreise, das eigene Zuhause auf einem Kreuzfahrtschiff – dieser Traum ist für 203 Passagiere plötzlich geplatzt. In Kambodscha mussten sie die "MV Odyssey" innerhalb von nur sieben Stunden verlassen. Als Grund nennt der Betreiber massiv gestiegene Treibstoffkosten.
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Für viele Bewohner der "MV Odyssey" kam die Nachricht völlig überraschend. Sie hatten teils sechsstellige Summen für ihre Kabinen bezahlt und wollten jahrelang auf dem Schiff leben. Doch im Hafen von Sihanoukville in Kambodscha war vorerst Schluss: Um 7 Uhr wurden die Passagiere informiert, bis 14 Uhr mussten sie von Bord sein.

Diesel wird zum finanziellen Problem

Die Betreiberfirma Villa Vie Residences begründet die Stilllegung mit den stark gestiegenen Treibstoffpreisen. Während die monatlichen Kraftstoffkosten zuvor durchschnittlich rund 1.800 Dollar pro Kabine betragen haben sollen, seien es in Teilen Asiens zuletzt geschätzte 6.000 bis 8.000 Dollar gewesen.

Die Preissteigerungen beim Rohöl im Zuge des Iran-Kriegs hätten die Kalkulation des Unternehmens damit massiv belastet. Für die Bewohner bedeutete das zunächst das abrupte Ende ihres geplanten Lebens auf See.

Kabinen kosteten Hunderttausende Dollar

Villa Vie Residences hatte das Schiff als dauerhaftes Zuhause für Menschen vermarktet, die die Welt über Jahre hinweg bereisen wollten. Eine Suite für die Lebensdauer des Schiffes kostete demnach ab rund 230.000 Dollar, umgerechnet etwa 206.000 Euro. Es gab auch günstigere Kabinenmodelle.

Die 69-jährige US-Amerikanerin Carol Larson zahlte nach eigenen Angaben 120.000 Dollar für ihre Kabine – in Raten. Hinzu kamen laufende Gebühren. Ihr Vertrag sollte ihr ein Leben an Bord für bis zu 15 Jahre ermöglichen.

Passagiere fühlen sich alleingelassen

Die kurze Frist sorgte für große Verunsicherung. Innerhalb weniger Stunden mussten die Betroffenen klären, wo sie unterkommen und wie sie ihre Weiterreise organisieren. Der Betreiber erklärte, mit den Bewohnern zusammenzuarbeiten. Einige Passagiere berichteten allerdings, sie hätten kaum Unterstützung erhalten und sich selbst um Unterkunft und Rückreise kümmern müssen.

Zuletzt befanden sich neben den 203 Passagieren auch 156 Besatzungsmitglieder an Bord. Auch unter ihnen herrschte Unmut: Einige fühlen sich von der Betreiberfirma getäuscht und stellen die Finanzplanung des Projekts infrage.

Schon vor dem Start gab es Probleme

Die "MV Odyssey" wurde bereits 1993 gebaut und war im Lauf ihrer Geschichte unter verschiedenen Namen für unterschiedliche Kreuzfahrtunternehmen unterwegs. Villa Vie Residences kaufte das Schiff 2023, um daraus ein schwimmendes Zuhause für eine mehrjährige Weltreise zu machen.

Doch schon vor dem geplanten Start gab es Schwierigkeiten. Reparaturen und Renovierungen verzögerten die Abfahrt um vier Monate. Nun sorgt die Stilllegung in Kambodscha für den nächsten schweren Rückschlag. Wie es für das Schiff und seine Bewohner weitergeht, ist bislang offen.

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