"Chats zeigen alles"
Ex-ORF-Boss heute vor Gericht: Es geht um 4 Millionen
Heute standen sich erneut der Ex-ORF-General und sein früherer Arbeitgeber gegenüber: Im bereits dritten Verfahren am Arbeits- und Sozialgericht Wien im gigantischen Streit um rund vier Millionen Euro.
Roland Weißmann wirkte deutlich gealtert, die Haare ergraut, er hielt sich aber aufrecht. Er sprach nicht mit oe24, schickte seinen Anwalt vor.
Auch interessant
Die rund 4.000 Chats, die öffentlich diskutiert werden, bestätigen laut Weißmann-Anwalt Oliver Scherbaum "eine wechselseitige Beziehung", die ORF-Mitarbeiterin sei nicht sexuell belästigt worden, sondern habe von sich aus 18 Fotos in kurzem Rock an Weißmann geschickt. Ebenso wie Herzerl-Emojis, Einladungen und "Oooh Roli."
“Menschen sprechen meinen Mandanten in der Straßenbahn auf die Chats an”
Weißmann-Anwalt Oliver Scherbaum
Chats sorgen für Diskussionen
Vor einer Woche nahm Stiftungsrat Peter Westenthaler Einblick in die Chats, sah Weißmann entlastet. Mittlerweile haben zahlreiche Medien darüber berichtet: Was im Falter einst wie eine klare Belästigung wirkte, gibt nun ganz anderes Bild ab.
Seit die Polizei zwei Handys der ORF-Mitarbeiterin vor dem Haus des damals noch nicht freigestellten ORF-Gagenkaisers Pius Strobl beschlagtnahmt hatte, wurden in einem Zwischenbericht ein Tagebuch ausgewertet, intime Fotos und aufgezeichnete Telefongespräche...
“Ich war verheiratet - 3 spurig gefahren. Ab wann wusste ich, dass es kippt?”
Tagebuch der ORF-Mitarbeiterin, veröffentlicht in Medienberichten
Gegen die ORF-Mitarbeiterin und ihren Anwalt läuft mittlerweile ein strafrechtliches Verfahren wegen des Verdachts der schweren Erpressung. Es gilt die Unschuldsvermutung. Brisant: Sie erwähnte im Tagebuch offenbar Pius Strobl: "Pius weiß, wie Männer ticken und wie sie begrapschr" (sic)... Die Auslegung vieler: Sie war noch in einer Ehe, als sie mit Weißmann und Strobl anbandelte. Jetzt werfen viele Weißmann vor, dass er als Chef nie ein Verhältnis mit der Mitarbeiterin hätte anfangen dürfen... Die Justiz ist am Zug.
Heute kurzer Prozess
In dem heutigen Prozess ging es um die ORF-Aussendung zum Rücktritt von Roland Weißmann als ORF-Chef, versendet am 9. März 2026. Pikant: Darin wurden Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben. Weißmann klagt auf Entschädigung. Ob der ORF für die Aussendung und alle daraus entstandenen Schäden haftet, wird ein anderes Mal festgestellt, der Prozess wurde nach nur 15 Minuten und einem Austausch von Schriftsätzen vom Richter vertagt.
Weißmann-Anwalt Scherbaum zu oe24: "Es kommen noch sehr viele Prozesse..." Insgesamt geht es um rund 4 Millionen Euro, die Weißmann vom ORF fordert - aus entgangenen Gehalts- und Pensionsansprüchen etc. Die ORF-Spezialanwälte wollten nicht namentlich erwähnt werden, haben in der Materie aber noch viel Arbeit vor sich.
"Das belastet"
Wie Weißmann-Anwalt Scherbaum zu oe24 sagt, sei die ganze Sache für Weißmann "sehr belastend". Er hält fest: "Mein Mandant hat keine Chats nach außen gespielt." Implizit schwingt mit, dass die ORF-Mitarbeiterin dem Falter nur einen einseitigen Auszug der Chats gezeigt habe. Die kriminalpolizeiliche Auswertung der Handys zeigen in rund 4.000 Chats eine "gegenseitige Beziehung", so der Anwalt. "Was mein Mandant immer gesagt hat, zeigt sich nun durch die vollständigen Chats."
Der Fall Roland Weißmann gegen den ORF fand heute kein Ende. Die Prozess-Lawine ist gerade erst angerollt.
OE24 TV Live-Stream
OE24 TV Live-Stream
Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden