Dem Museum für Angewandte Kunst (MAK) können im Zusammenhang mit dem bewaffneten Raub vom 27. August keine Versäumnisse vorgeworfen werden - weder bei den Sicherheitsvorkehrungen, noch beim Handeln unmittelbar während der Tat oder beim Krisenmanagement danach. Zu diesem Schluss kommt ein vom MAK beauftragter Untersuchungsbericht von Michael Zoratti und Martin Jezl namens des Sicherheitsconsulters LifeLine's, in dessen Executive Summary die APA Einsicht nehmen konnte.
In der 34 Seiten umfassenden "gutachterlichen Stellungnahme" wird die Frage, ob das MAK das "Ereignis vom 27.8.", als zwei Täter in der Ausstellung "Glanzstücke" eine Vitrine einschlagen und mit einem wertvollen historischen Diamantcollier entkommen konnten, sowohl bei den sicherheitstechnischen Vorkehrungen als auch im Ablauf positiv bewältigt habe, mit einem "klaren Ja" beantwortet. Sämtliche üblichen bzw. mit den Vertragspartnern vereinbarten Standards und Normen seien eingehalten worden. Metalldetektoren, wie sie nach dem Raub eingesetzt wurden, seien weder von der Partnern verlangt noch von den Standards vorgesehen gewesen.
Vorrang von Personenschutz vor Objektschutz
Aufgrund des Vorrangs von Personenschutz vor Objektschutz sei bewusst kein lauter Alarm und kein bewaffnetes Sicherheitspersonal eingesetzt worden. Die um 14:01:22 Uhr ausgelöste direkte Alarmierung von Polizei und Sicherheitszentrale des Hauses habe ebenso "optimal und effizient" funktioniert wie die in Gang gesetzte Alarmierungskette und das Verhalten des geschulten Personals der Firma Securitas, das darauf abgezielt habe, angesichts von bewaffneten Tätern eine unmittelbare Konfrontation und mögliche Eskalationen wie Panik oder Geiselnahme zu verhindern.
Es müsse daher festgehalten werden, dass trotz dem Einsatz "von modernster Sicherheitstechnik" wie 185 Videokameras und einer ebenso dreistelligen Anzahl von Alarmsensoren, speziellem Sicherheitsglas und geschultem Sicherheitspersonal ein derartiger "von 'Profis' durchgeführter Raub mit vernünftigen Mitteln leider nicht verhindert werden kann. Hier gilt einmal mehr der Grundsatz: 100 Prozent Sicherheit gibt es nur bei 100 Prozent Unfreiheit", so die Gutachter.
Das Gutachten stelle dem MAK für diesen spezifischen Fall, bei dem bewaffnete Täter zu Öffnungszeiten der Ausstellung gehandelt hätten, ein gutes Zeugnis aus, betonte MAK-Generaldirektorin Lilli Hollein im Gespräch mit der APA. "Wir haben uns sehr gewissenhaft auf dieses Projekt vorbereitet. Wir waren sicherheitsmäßig gerüstet für die Objekte, hatten aber auch ein klares Sicherheitskonzept. Dabei war unsere oberste Prämisse Personenschutz, so sehr wir uns für Objekte auch verantwortlich fühlen. Es hat Einigkeit geherrscht: Es gibt kein Objekt, dessen Wert höher ist als der eines Menschen. Dass es ein bisschen sonderbar klingt, wenn man sagt, es ist gut gelaufen, aber ein Collier ist weg, kann ich nachvollziehen. Auf der anderen Seite: Das war ein unglaublich brutaler Raub und Vorgang, und der ist gut bewältigt worden."
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Hollein: Krisenmanagement hat sich bewährt
Das Krisenmanagement des Hauses sei vor zwei Jahren neu aufgesetzt worden, so Hollein. Dabei sei "ein Handbuch mit klaren Richtlinien" erarbeitet und Anfang des Jahres auch eine große Übung gemacht worden. Dies habe sich im Ernstfall nun bewährt. Gleichzeitig sei mit Partnern in Sicherheitsvorkehrungen investiert worden, die ein Vielfaches des normalen jährlichen Ausstellungsbudgets des ganzen Hauses gekostet haben. Die Sicherung der Vitrine mit Panzerglas habe dem "Goldstandard" vergleichbarer Ausstellungen entsprochen, eine noch besser geschützte Vitrine, in der das Objekt bei Erschütterung sofort versenkt worden sei, sei vom Aufwand her nur bei Kronjuwelen und vergleichbar wertvollen Stücken argumentierbar. Man sei auch nach dem Raub weiter in sehr gutem Einvernehmen mit den Leihgebern und Partnern, "weil wir uns ja auch in allen Schritten abgestimmt haben".
"Ich brauche eine gewisse Zugänglichkeit und eine Vitrine, in der man immer noch das Objekt sieht. Gleichzeitig ist das allgemeine Risiko des Standortes bewertet worden. Es sind also alle adäquaten, vernünftigen Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden. Mit Maschinenpistolen bewaffnete Wächter neben einer Betonwand - das wäre nicht mehr eine Museumsausstellung. Das Fazit ist also leider: Was Museen zeigen wollen und können, kann nicht vor jeder Art von Zugriff geschützt werden."
"Ein neues Täterprofil von wirklich brutalen Räubern"
Laut Hollein haben sich zum Zeitpunkt der Tat 104 Personen in der Ausstellung befunden. "Von ihnen ist der größte Teil unmittelbar evakuiert worden." Dass dies in größter Ruhe, ohne Panik und ohne gefährliche Konfrontation mit den flüchtenden Tätern geschehen sei, beweise die Richtigkeit des Konzepts. "So sehr ich bedaure, dass es zu einem Raub gekommen ist, muss man sagen, dass er mit angemessenem Aufwand nicht zu verhindern gewesen wäre. Wir haben ein neues Täterprofil von wirklich brutalen Räubern, denen es sehr stark um den Materialwert von Objekten geht", so die MAK-Generaldirektorin. "Wir befinden uns deshalb auch in einem intensiven Prozess und auch in Zusammenarbeit mit Experten und mit den Kolleginnen von den anderen Bundesmuseen. Wir müssen zugängliche Orte bleiben, an denen man sich wohl und sicher fühlt - aber wir wollen nicht alles wegräumen und wegsperren."
Kuratorium befasste sich bereits mit dem Gutachten
Sie habe seit dem Raub immer wieder die Frage gehört: "Warum ist das so einfach gegangen?", erzählt Hollein. "Ich kann dem nur entgegnen: So einfach war das nicht. Das war unglaublich professionell vorbereitet, unglaublich brutal und schnell. Da war viel Präzision, Brutalität und Übung dahinter."
Das MAK-Kuratorium hat sich in seiner letzten Sitzung mit den Ergebnissen des Gutachtens, befasst. Diese zeigten, "dass ein professionelles Sicherheitsmanagement bei der Vorbereitung der Ausstellung sowie während der Tat gegeben war. Die gewonnenen Erkenntnisse werden selbstverständlich für weitere Verbesserungen genutzt werden. Das Gutachten hat dem Kuratorium die gewissenhafte Vorbereitung des Projekts und die verantwortungsvolle Abwicklung des Vorfalls durch die Geschäftsführung des MAK bestätigt", erklärte Kuratoriumsvorsitzende Astrid Gilhofer am Freitag in einer Aussendung.
74.600 Besucherinnen und Besucher
Zu den Ermittlungen hält sich die zuständige Wiener Polizei weiterhin ausnehmend bedeckt. Aus dem Bundeskriminalamt, dessen Kulturgutfahndung die Wiener Ermittler unterstützt, wurde auf die Landespolizeidirektion der Bundeshauptstadt verwiesen. Die Ermittlungen des Landeskriminalamtes seien in vollem Gange, hieß es dort auf Anfrage der APA.
Die Ausstellung "Glanzstücke. Van Cleef & Arpels High Jewelry x Masterpieces from the MAK Collection", die bereits am Tag nach dem Raub wieder geöffnet war, ist am vergangenen Wochenende zu Ende gegangen. Mit 74.600 Besucherinnen und Besuchern zählt sie zu den erfolgreichsten Ausstellungen des Hauses, wobei, so wird betont, der Andrang vor und nach dem Vorfall gleichermaßen hoch gewesen sei.
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