Heizen und Co

Herbst und Winter werden noch teurer

Teuerung ist schon im Geldbörsl angekommen
© oe24
Der europäische Preis für Erdgas ist am Mittwoch erstmals seit dem Jahr 2022 bis auf 100 Euro je Megawattstunde (MWh) gestiegen.
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Der Gaspreis hat mehrjährige Höchststände erreicht. Anfang Oktober hatte der Preis noch bei 70 Dollar gelegen. Seit Beginn des Jahres hat sich der Erdgaspreis für den Rohstoff mehr als verdreifacht. Anfang November liegt der Preis bei rund 100 Dollar.

Zuletzt hatte sich Erdgas zu Beginn des Ukraine-Kriegs kräftig verteuert. Damals im Jahr 2022 war der Preis noch viel höher bis auf über 300 Euro je MWh gesprungen.

Experten schlagen Alarm

Die Preise für Strom und Gas steigen, heißt es vom Momentum Institut gegenüber oe24. Musste man zu Jahresanfang noch im Schnitt 5,58 Cent pro Kilowattstunde bezahlen sind es nun bereits 7,71 Cent (Oktober), das sind um 38 Prozent mehr für den Energiepreis (ohne Abgaben und Netzkosten).

Gas hat damit seinen Höchststand in den letzten zwei Jahren erreicht. Der Abschluss eines Neuvertrags für Gas kostet auf ein Jahr gerechnet also schon um 320 Euro mehr beim durchschnittlichen Verbrauch eines Haushaltes, der mit Gas heizt (inklusive Warmwasser/Kochen).

Strom hat sich bei den Hauptprodukten der Landesenergieversorger noch nicht rasant verteuert (13,59 Cent/ kWh auf 13,96 Cent/kWh), erst um 2,7 Prozent. Allerdings gehen Schnäppchenjäger:innen mittlerweile leer aus: Zu Jahresbeginn gab es noch Angebote um 8,8 Cent, mittlerweile ist das auf 11,22 Cent gestiegen (+28 Prozent).

"Wer also immer zum günstigsten Strom greift, muss bei Abschluss eines Neuvertrags jetzt schon um 85 Euro mehr an die Stromkonzerne berappen als noch vor ein paar Monaten (mit Durchschnittsverbrauch)", heißt es von den Ökonomen des Momentum Institut.

Anstieg der Strompreise

Strommast und Euro-Münzen als Symbol für Energie- und Stromkosten.
Storm wird teurer © Getty Images/iStockphoto

In den nächsten Monaten wird es zu einem Anstieg der Strompreise kommen. Sowohl die Börsenpreise wie auch die Beschaffungspreise sind stark gestiegen seit Beginn des Iran-Kriegs.

Mit einer Verzögerung von einigen Monaten bis zu einem Jahr kommen die auch bei den Haushalten an. Geht man von den aktuellen Beschaffungskosten aus, und bleiben die in den kommenden Monaten so (also keine Entspannung im Iran oder Ukraine), würden die Strom- und Gaspreise (Energiepreise, ohne Steuern und Netzentgelte) in einigen Monaten um 20 bis 30 Prozent steigen.

Greift die Strompreisbremse?

Bei Strom plant die Regierung eine neue Strompreisbremse (Energiekrisenmechanismus). Der Energiepreis einer durchschnittlichen Stromrechnung könnte noch um rund ein Fünftel steigen, bevor die geplante (aber noch nicht beschlossene) Strompreisbremse der Regierung in Kraft tritt und den Preis deckelt. Da ist ein großer Teil des Preisanstiegs dann aber schon passiert. Die kommende Inflationswelle gilt es früh abzufangen, nicht erst, wenn die Preise schon explodiert sind.

Wer ein Auto hat, zahlt noch mehr

Für Haushalte mit mindestens einem Pkw muss man auf ein Jahr gerechnet mit Mehrkosten von 470 Euro rechnen bei einem Verbrauch von 1.000 Litern, wenn die aktuellen Spritpreise weiter auf dem erhöhten Niveau im Vergleich zu vor dem Iran-Krieg verbleiben. Haushalte ohne Pkw oder einem, der nur wenig gefahren wird, mit steigen deutlich günstiger aus.

"Löhne halten nicht Schritt mit Inflation"

Inflationsbereinigt liegen die tariflichen Mindestlöhne und Mindestgehälter um 0,9 Prozent unter dem Niveau von September 2019. "Die Lohnerhöhungen der vergangenen Jahre haben die gestiegenen Verbraucherpreise damit insgesamt noch nicht ausgeglichen", errechnet das Momentum Institut.

Besonders deutlich wird die Belastung beim Blick auf Energie. Eine Auswertung vergleicht die Preise und KV-Mindestlöhne im August 2026 mit dem Jahresdurchschnitt 2019. Energie verteuerte sich in diesem Zeitraum um 78,6 Prozent. Die KV-Mindestlöhne stiegen dagegen um 33,7 Prozent, das allgemeine Preisniveau um 34,8 Prozent. Auch Mieten mit einem Plus von 34,9 Prozent und Lebensmittel mit 34,1 Prozent verteuerten sich stärker als die KV-Mindestlöhne.

Familien- und Sozialleistungen nicht mehr an die Inflation angepasst

Gleichzeitig passt die Regierung Familien- und Sozialleistungen nicht mehr an die Inflation an, der Familienbonus wurde zusammengekürzt, die Pensionen werden nicht vollumfänglich an die Inflation angepasst und die Arbeitslosenversicherungs-Beiträge für Geringbezahlte wurden erhöht.

Das spüren die Haushalte auch in der Geldbörse. Besonders prekär mache dieses Vorgehen aber die Situation von ohnehin armutsbetroffenen oder -gefährdeten Personen, heißt es vom Momentum Institut. Fast die Hälfte der armutsgefährdeten Haushalte (47 Prozent) verliert im Zuge des Budgets 2027/28 Geld. Es kostet sie im Schnitt 233 Euro im Jahr. Die Armutsgefährdungsquote steigt durch die Budgetmaßnahmen von 15,3 Prozent auf 15,7 Prozent.

“Ein Vorziehen der geplanten Strompreisbremse könnte die Strompreise senken. Dass sie jetzt schon gilt und nicht erst bei dem Schwellenwert 16,5 Cent pro kWh, den die Bundesregierung plant. Es braucht weiters stärkere Margeneingriffe bei den Spritpreisen sowie auch bei Heizöl, noch bevor die Heizsaison so richtig startet.”

Momentum Institut

Wesentlicher Preistreiber bleibt der Iran-Krieg. Die USA haben einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge mehrere Staaten am Persischen Golf aufgefordert, sich auf einen Militäreinsatz gegen den Iran nach den US-Zwischenwahlen (ab 3. November) vorzubereiten.

Ein weiterer Preistreiber ist das verstärkte Auffüllen der deutschen Gasspeicher vor dem Winter. Deutschland ist als größte europäische Volkswirtschaft seit Wochen bemüht, die Gasreserven zu erhöhen.

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