Ski Alpin

Herminator schlägt Alarm: Österreich gehen die Talente aus

Ski-Legende Hermann Maier zählt zu den größten Athleten der österreichischen Sportgeschichte.
© GEPA
Der "Herminator" spricht Klartext! Österreichs Nachwuchsprobleme, Odermatts Dominanz und Vonns irre Comeback-Story: Hermann Maier nimmt im Eurosport-Interview kein Blatt vor den Mund.
OE24 auf Google bevorzugen

Hermann Maier prägte Österreichs Ski-Erfolge wie kaum ein anderer. Doch während die Konkurrenz heute den Ton angibt, sieht der 53-Jährige die einstige Ski-Großmacht unter Druck. Der Grund? Der Weg an die Spitze wird immer schwieriger. "Ich bin überzeugt, dass nicht mehr jeder bereit ist, diesen Aufwand mitzumachen", erklärt Maier im Interview mit Eurosport. Der Aufwand sei gerade für Kinder und ihre Familien enorm. Früher habe Österreich aus einem riesigen Nachwuchspool schöpfen können, doch dieses Modell funktioniere nicht mehr. "Deshalb muss man sich viel intensiver um den Nachwuchs kümmern", fordert die Ski-Legende. Ohne eine breitere Basis drohe langfristig auch die Leistungsdichte an der Spitze zu leiden.

Maier adelt Odermatt: »Das zeichnet einen Siegfahrer aus«

Wie es besser laufen kann, zeigt Marco Odermatt. Der Schweizer dominiert den Weltcup und beeindruckt Maier mit seiner Konstanz: "In verschiedenen Disziplinen ganz vorne zu sein, zeichnet einen Siegfahrer aus." Besonders imponieren ihm Odermatts Ehrgeiz, sein Mut in den schnellen Disziplinen und der Zusammenhalt im Schweizer Team.

Auch Deutschlands Emma Aicher hat es dem Doppel-Olympiasieger angetan. Ihre Vielseitigkeit sei beeindruckend, vor allem aber ihre Unbekümmertheit. "Das Schöne bei Emma Aicher ist ihre Unbekümmertheit und die große Freude am Skifahren", sagt Maier. Entscheidend sei, dass sie sich diese Eigenschaften bewahre und gleichzeitig weiter dazulerne.

“"Dass sie das sogar nach ihrem Karriereende noch einmal geschafft hat, hätte ihr kaum jemand zugetraut."”

Hermann Maier

Großen Respekt zeigt Maier auch vor Lindsey Vonn. Ihre Rückkehr nach dem Karriereende sei alles andere als selbstverständlich gewesen. "Dass sie das sogar nach ihrem Karriereende noch einmal geschafft hat, hätte ihr kaum jemand zugetraut", betont er. Für ihn steht die US-Amerikanerin für Beständigkeit, Kampfgeist und die Freude am Skisport.

Social-Media-Watsche: Maiers trockene Antwort

Weniger begeistert ist der "Herminator" vom Social-Media-Hype. Jede Kleinigkeit werde öffentlich, gleichzeitig gäben Sportler immer mehr von sich preis. "Manchmal ist weniger eben mehr", meint Maier. Warum er selbst nicht auf Instagram und Co. aktiv ist? Seine trockene Antwort: "Ich habe nichts Interessantes zu berichten."

Dabei war Maier einst selbst ein Medienphänomen. Nach seinem ersten Weltcupsieg in der Debütsaison und dem Gesamtweltcup im zweiten Jahr machte ihn sein spektakulärer Sturz bei Olympia 1998 in Nagano endgültig zur Legende. Arnold Schwarzenegger brachte den Spitznamen "Herminator" ins Spiel.

Vom Weltcup auf die Loipe: Maier nimmt es gemütlicher

Heute arbeitet Maier für den ORF an Natursendungen, wirbt für seine Heimat Flachau und genießt Skitouren sowie Langlaufen. Am liebsten läuft er in der Ebene, denn bergauf sei er noch "ein bisschen zu schwer". Seine Leidenschaft für den Sport ist geblieben – ebenso seine klare Botschaft an Österreich: Wer wieder ganz nach oben will, muss beim Nachwuchs ansetzen.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden