Pflanzenschutz

KI vom Waldviertel auf den Acker: Farm-ING

WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker, Alexandra Höfer, Direktor-Stellvertreterin WKNÖ, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Gregor Witzmann, Geschäftsführer und CEO von Farm-ING, Reinhard Karl, Raiffeisenvorstand NÖ-Wien, und Gerhard Zimmermann, CTO und Co-Founder von Farm-ING.
© NLK Burchhart
Die Zukunft des Ackerbaus rollt bereits durch das Waldviertel. Das niederösterreichische Unternehmen Farm-ING Smart Farm Equipment FlexCo aus Horn verschmilzt Künstliche Intelligenz, Präzisionstechnik und bäuerliche Praxis zu einem System, das Pflanzenschutz neu denkt: Wirkstoffe nur dort, wo sie wirklich gebraucht werden.
OE24 auf Google bevorzugen

Das Projekt „Ultra High Precision Spot SprayING" macht daraus eine hochpräzise digitale Lösung.

Das Prinzip erinnert an Science-Fiction, ist aber längst Realität. Hochauflösende Kameras scannen den Pflanzenbestand im Vorbeifahren, neuronale Netze unterscheiden in Echtzeit zwischen Kulturpflanze und Unkraut, und mehr als 200 einzeln ansteuerbare Düsen treffen ihr Ziel auf den Punkt genau. Der Herbizideinsatz sinkt im Vergleich zur klassischen Flächenspritzung um bis zu 95 Prozent.

Für Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner zeigt das Projekt, wie Digitalisierung Zukunft greifbar macht: "Künstliche Intelligenz entfaltet ihren Wert dort, wo aus technologischen Möglichkeiten konkrete Lösungen für die Menschen und unsere Betriebe entstehen. Farm-ING entwickelt im Waldviertel Hightech, die unsere Landwirtschaft effizienter und ressourcenschonender macht und zugleich international gefragt ist. Das ist Innovationskraft aus Niederösterreich, wie wir sie mit unserer Wirtschaftsstrategie 2030+ weiter stärken wollen. Es geht darum, neue Technologien zu entwickeln, Produktivität zu steigern und aus Wissen Wertschöpfung sowie hochwertige Arbeitsplätze in unseren Regionen zu schaffen."

Smarte Maschine, vernetztes Feld

Mit einer Arbeitsbreite von bis zu zwölf Metern und Geschwindigkeiten von bis zu acht Kilometern pro Stunde ist das System für größere Betriebe gebaut. Eine digitale Benutzeroberfläche liefert Überwachung in Echtzeit, GPS-basierte Dokumentation und detaillierte Analysen des Unkrautdrucks. Der Nutzen ist doppelt: Weniger Pflanzenschutzmittel senken die Betriebsmittelkosten und entlasten zugleich Boden, Grundwasser und Biodiversität.

WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker sieht darin ein Modell für neue Märkte: "Die besten Innovationen lösen ein konkretes Problem und schaffen gleichzeitig einen wirtschaftlichen Mehrwert. Farm-ING verbindet landwirtschaftliches Know-how mit Künstlicher Intelligenz und Maschinenbau und entwickelt daraus ein Produkt mit großem internationalem Potenzial. Dass Entwicklung und Montage in Niederösterreich stattfinden, ist besonders erfreulich. Genau solche Unternehmen stärken die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts und zeigen, dass Digitalisierung gerade auch für kleinere und junge Betriebe enorme Chancen eröffnet."

Vom Ingenieurbüro zur Agrar-Zukunftsschmiede

Ausgezeichnet wurde die Idee beim NÖ Innovationspreis 2026 mit dem Sonderpreis „Digitale Innovation". Den Preis vergeben die Technologie- und InnovationsPartner von Land Niederösterreich und Wirtschaftskammer Niederösterreich an besonders innovative Projekte heimischer Unternehmen.

Begonnen hat alles 2021 als Ingenieurbüro für Landtechnik, gegründet von Gregor Witzmann. Heute zählt Farm-ING mehr als 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in Horn Maschinenbau, Mechatronik, Künstliche Intelligenz, Robotik und GIS mit echter Praxiserfahrung aus der Landwirtschaft verbinden. Der Fokus liegt auf Feldrobotik und Automatisierung. Neben dem Spot Sprayer SprayING umfasst das Portfolio KI-gestützte Hacktechnik, präzise Verschieberahmen und Engineering-Dienstleistungen für den Agrarsektor. Alle eigenen Produkte entstehen direkt im Waldviertel, von der Entwicklung bis zur Montage.

Gregor Witzmann, Geschäftsführer und CEO von Farm-ING, blickt nach vorn: "Wir kommen selbst aus der Landwirtschaft und entwickeln unsere Lösungen daher nicht am Reißbrett, sondern für ganz konkrete Herausforderungen auf den Betrieben. Unser Ziel ist eine Landwirtschaft, in der Digitalisierung und Automatisierung den Landwirtinnen und Landwirten Arbeit abnehmen und gleichzeitig einen verantwortungsvolleren Einsatz von Ressourcen ermöglichen. Dass eine Technologie, die wir hier in Horn entwickeln und produzieren, bereits international auf so großes Interesse stößt, bestätigt uns auf diesem Weg."

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden