Rüstungspanne
Milliarden-Projekt wackelt: Neue Kampfhubschrauber können nicht schießen
Eigentlich war der Beschaffungsplan für die Truppe denkbar unkompliziert angelegt. Verteidigungsminister Boris Pistorius wollte zügig neue Kampfhubschrauber bereitstellen und setzte dafür auf ein bereits erprobtes, marktverfügbares Modell. Die Maschine wird international bereits von mehreren Staaten genutzt und steht unter anderem auch beim ADAC als Rettungshubschrauber im täglichen Dienst. Durch diesen Schritt sollte vermieden werden, dass Rüstungsunternehmen erst jahrelang ein komplett neues Modell konstruieren müssen.
Milliarden-Projekt wackelt: Neue Kampfhubschrauber können nicht schießen
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Rund 2,5 Milliarden Euro investiert Deutschland in die Beschaffung der Militärvarianten des Airbus H145, die bis Ende 2028 ausgeliefert werden sollen. Der vertrauliche Bericht des Bundesrechnungshofs, über den das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, stellt der Planung des Ministeriums nun jedoch ein verheerendes Zeugnis aus. Die Prüfer warnen vor einem Projekt auf einem überaus kritischen Pfad. Dem Ministerium wird dabei ausdrücklich vorgehalten, den tatsächlichen Aufwand massiv unterschätzt zu haben, ein ziviles Fluggerät in einen voll einsatztauglichen Militärhelikopter umzuwandeln.
Munition nicht freigegeben: Hubschrauber vorerst rein zur Ausbildung
Die Konsequenzen für die Bundeswehr wiegen schwer: Geliefert werden die Helikopter vorerst ausschließlich in einer sogenannten vorläufigen Konfiguration. In diesem Zustand können die Maschinen nicht im Gefecht eingesetzt werden, sondern taugen lediglich für Ausbildungszwecke. Der Grund dafür liegt direkt bei der Bewaffnung:
- Die Geschosse für die vorgesehene Bordkanone wurden von der Bundeswehr bislang noch keinem vollständigen Test unterzogen.
- Die aktuell verfügbare 20-Millimeter-Munition gilt offiziell als nicht sicher.
- Verantwortlich dafür ist eine festgestellte elektrostatische Empfindlichkeit des verbauten Anzündhütchens.
- Bislang gibt es vom Hersteller noch keine konkrete Zeitangabe, wann dieser elementare Mangel endgültig behoben werden kann.
Mit diesen technischen Einschränkungen bleibt das Fluggerät vorerst weit hinter den operativen Anforderungen der Truppe zurück.
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Millionenschwere Raketen-Pläne trotz technischer Pannen
Die Probleme bei den Bordkanonen sind allerdings keineswegs der einzige Schwachpunkt in den Beschaffungsplänen. Auch bei den vorgesehenen Panzerabwehrraketen gibt es empfindliche Verzögerungen. Erste Schusstests mussten im Mai 2025 abgebrochen werden, weil es gravierende technische Komplikationen bei der Steuerung gab. Ungeachtet dieser Rückschläge plant das deutsche Verteidigungsministerium weiterhin den Ankauf von Lenkflugkörpern um 384 Millionen Euro – und das noch vor einem erfolgreichen Nachweis der tatsächlichen Einsatzreife.
Die Finanzprüfer warnen eindringlich vor dem finanziellen Risiko, dass die Flugkörper die erforderliche Prüfung für den Einsatz nicht bestehen und für das Militär somit unbrauchbar bleiben. Parallel dazu belasten weitere Großprojekte den Wehretat: Auch beim Bau von vier neuen MEKO-Fregatten, die mit rund 5,3 Milliarden Euro veranschlagt sind, treten massive Schwierigkeiten auf.
Verfehlt die Bundeswehr die verbindlichen NATO-Zusagen?
Für Deutschland stehen damit auch internationale Verpflichtungen auf dem Spiel. Die Bundeswehr hat der NATO zugesagt, bis 2029 zwölf und ab 2032 insgesamt 72 voll einsatzfähige Kampfhubschrauber bereitzustellen. Ob dieser ambitionierte Zeitplan eingehalten werden kann, gilt angesichts der aktuellen Mängelliste als völlig offen.
Die Prüfer des Bundesrechnungshofes drängen nun darauf, das gesamte Vorhaben einer grundlegenden Überprüfung zu unterziehen und die geplante Nachbestellung von weiteren 20 Einheiten vorerst zu stoppen. Verteidigungsminister Pistorius hatte den H145 zuvor mehrfach als Meilenstein gefeiert: Bei der Übergabe des ersten Modells rühmte er die deutlich erhöhte Schlagzahl bei der Beschaffung und sprach gar von gelebter Zeitenwende. Nun droht genau diese Prestige-Initiative in ein teures Beschaffungschaos abzugleiten.
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