Neun Gegentore, ein historisches Debakel und jetzt auch noch vernichtende Kritiken. Für ÖFB-Verteidiger Samson Baidoo (22) wurde der Champions-League-Abend gegen Como zum Albtraum. Nach dem 1:9 von RC Lens gegen die Italiener kennt die französische Presse kaum Gnade. Gleich drei Sportportale geben dem Österreicher die Note 1 von 10 möglichen Punkten.
Schon zur Pause lag Lens mit 0:3 zurück, nach dem Seitenwechsel brachen bei den Franzosen endgültig alle Dämme. Como schraubte das Ergebnis bis zur 69. Minute auf 8:1, ehe der erst 18-jährige Matteo Papaccioli in der Nachspielzeit (90.+2) den historischen Schlusspunkt setzte. Mit dem 9:1 feierten die Italiener den höchsten Sieg der Champions-League-Geschichte und übertrafen die bisherigen Rekordmarken von Liverpool und Real Madrid (jeweils 8:0).
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Drei Gegentore, drei schwere Vorwürfe
Besonders bitter für Baidoo: Der frühere Salzburg-Verteidiger stand über die gesamten 90 Minuten auf dem Platz. Bei mehreren Gegentoren steht er nun besonders in der Kritik.
Das französische Fachportal Maxifoot nimmt Baidoos Abwehrverhalten genau unter die Lupe. Beim 0:2 durch Tassos Douvikas (32.) habe der Österreicher den Angreifer in seinem Rücken aus den Augen verloren.
Auch beim 0:3 durch Nico Paz (40.) sieht das Portal Baidoo in der Verantwortung. Im Duell mit Douvikas habe ihm die nötige Entschlossenheit gefehlt.
Beim 0:6 (57.), erneut durch Douvikas, habe der Innenverteidiger seinen Gegenspieler wieder zu leicht in Richtung Tor ziehen lassen. Auch bei späteren Treffern wirft ihm die Redaktion zu passives Verhalten vor.
Das Urteil fällt entsprechend hart aus: 1 von 10 Punkten.
Gleich drei französische Medien geben Note 1
Maxifoot steht mit dieser Bewertung nicht allein. Auch So Foot und Made in Foot vergeben für Baidoos Auftritt die Note 1. Der Datenanbieter FotMob bewertet seine Leistung mit 4,8 von 10 Punkten.
Allerdings war der ÖFB-Legionär keineswegs der einzige Spieler, der von der französischen Presse abgestraft wurde. Bei Maxifoot erhielten auch Torhüter Robin Risser und mehrere Abwehrkollegen die Note 1. Made in Foot bewertete gleich vier Lens-Stammspieler mit der schlechtesten vergebenen Note. Der Mannschaftsschnitt lag dort bei gerade einmal 2,08 Punkten.
Das 1:9 war damit nicht nur für Baidoo, sondern für die gesamte Lens-Defensive ein Abend zum Vergessen.
Nach Verletzung läuft es für Baidoo nicht rund
Der gebürtige Grazer war erst im Sommer 2025 für kolportierte bis zu acht Millionen Euro inklusive Bonuszahlungen von Red Bull Salzburg nach Lens gewechselt. Bei den Franzosen unterschrieb er einen Vertrag bis 2030.
Für den 22-Jährigen kommt das Debakel zu einem schwierigen Zeitpunkt. Nach einer Oberschenkelverletzung im Sommer hatte Baidoo mehrere Monate pausieren müssen und war erst im Oktober wieder in den Kader zurückgekehrt.
Seine Leistungen seit dem Comeback fielen unterschiedlich aus. Bereits beim Champions-League-Spiel gegen Sporting am 13. Oktober hatte So Foot den Österreicher mit nur 2 von 10 Punkten bewertet. Beim 0:3 gegen Club Brügge am 21. Oktober wurde er zur Pause ausgewechselt.
Wenige Tage später sah die Sache noch besser aus. Beim 2:1 gegen Paris FC erhielt Baidoo von Made in Foot eine 6, der Datenanbieter FotMob bewertete ihn sogar mit 7,5.
Gegen Como folgte nun der nächste Rückschlag. Ein Zusammenhang zwischen seiner früheren Verletzung und den jüngsten Leistungen lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
Lens-Trainer spricht von »Demütigung«
Auch bei Lens selbst herrscht nach dem historischen Debakel Ernüchterung. Trainer Yannick Cahuzac bezeichnete die Niederlage als "Demütigung". Verteidiger Ruben Aguilar räumte ein, dass die Mannschaft zu viele Räume zugelassen und den vorgesehenen Spielplan nicht umgesetzt habe.
Die Kritik richtete sich damit an die gesamte Mannschaft. Baidoo bekam das Debakel allerdings besonders deutlich zu spüren: Neben den drei französischen Einser-Noten sah der Österreicher während der Partie auch noch Gelb (34.).
Como übertrifft Real und Liverpool
Für Como war es ein Abend für die Geschichtsbücher. Der Champions-League-Neuling übertraf mit dem 9:1 die bisherigen Rekordsiege von Liverpool gegen Besiktas (2007) und Real Madrid gegen Malmö (2015), die jeweils 8:0 gewonnen hatten. Die Italiener stellten zudem Bayerns Bestmarke von neun Treffern in einem Königsklassen-Spiel ein. Der höchste Tor-Gesamtwert bleibt allerdings unangetastet: Beim 8:4 von Borussia Dortmund gegen Legia Warschau 2016 fielen zwölf Treffer.
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