Traditionsbetrieb

Tabak-Riese stellt Produktion nach 115 Jahren ein

© ullstein bild via Getty Images
Der Schweizer Tabakkonzern Villiger beendet nach mehr als einem Jahrhundert die Zigarren- und Zigarillo-Produktion in Waldshut-Tiengen. Bis Ende 2027 soll die Herstellung ins Ausland verlagert werden. Rund 40 Arbeitsplätze sind betroffen.
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Seit 1911 werden in Waldshut-Tiengen (Deutschland) Zigarren und Zigarillos hergestellt. Damit soll nun Schluss sein: Villiger will die Produktion schrittweise an den Schweizer Stammsitz in Pfeffikon und in ein Werk im indonesischen Jember verlagern.

Die Villiger-Gruppe produziert nach eigenen Angaben weltweit rund eine Milliarde Zigarren und Zigarillos pro Jahr und beliefert mehr als 80 Länder. Mit der Verlagerung will das Unternehmen seine Produktionsabläufe neu organisieren.

40 Mitarbeiter betroffen

Ganz verschwinden wird Villiger aus Waldshut-Tiengen nicht. Am Standort sollen weiterhin Zigarren und Zigarillos für den europäischen Markt verpackt, etikettiert und für den Versand vorbereitet werden. Auch Logistik und Vertrieb bleiben vor Ort.

Derzeit beschäftigt das Unternehmen am Hochrhein rund 190 Mitarbeiter. Durch die Umstrukturierung sollen etwa 40 Arbeitsplätze wegfallen. Zunächst will Villiger laut eigenen Angaben natürliche Abgänge, Pensionierungen und interne Versetzungen nutzen. Kündigungen sind allerdings nicht ausgeschlossen.

Konzern verweist auf veränderten Markt

Als Gründe für den Schritt nennt Villiger Überschneidungen bei Produkten und Produktionsabläufen sowie ein verändertes Marktumfeld. Auch sinkender Tabakkonsum und strengere gesetzliche Vorgaben setzen die Branche unter Druck.

Villiger-Chef Christoph Schüpbach bezeichnete die Bündelung der Produktion als wichtigen Schritt, um das Unternehmen für die Zukunft aufzustellen.

Zweite schlechte Nachricht binnen Wochen

Für den Standort kommt die Ankündigung in einer ohnehin schwierigen Phase. Erst im September hatte die Villiger-Beteiligung 5th Avenue Products Trading GmbH Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen importiert kubanische Premium-Zigarren wie Cohiba und Montecristo exklusiv für den deutschen Markt.

Laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter André Berbuer waren weder Absatzprobleme noch Managementfehler ausschlaggebend. Als Ursache wurden EU-Sanktionen gegen einen mittelbaren Gesellschafter genannt. Die Produktionsverlagerung und die Insolvenz der Beteiligung sind zwei getrennte Vorgänge, treffen das Umfeld des Traditionsunternehmens aber innerhalb kurzer Zeit.

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