Schönbrunns Regenwald lässt weiter auf sich warten. Eigentlich sollte das seit 2022 geschlossene Regenwaldhaus noch heuer wieder Besucher empfangen. Doch aus der geplanten Eröffnung wird nichts. Erst Anfang 2027 soll es so weit sein. Die seit 2022 laufende Generalsanierung gestaltet sich aufwendiger als ursprünglich angenommen. Erst Anfang 2027 soll das Haus wieder seine Türen öffnen, wie Tiergartendirektor Stephan Hering-Hagenbeck im Gespräch mit ORF "Wien heute" bestätigte.
Schuld an der Verzögerung ist vor allem der Zustand des Gebäudes. Nach 20 Jahren Betrieb bei hoher Luftfeuchtigkeit waren die Schäden an der Bausubstanz deutlich größer als erwartet. "Wir haben leider feststellen müssen, dass einige Dinge doch in einem etwas schlechteren Zustand waren, als wir das von außen her angenommen haben", erklärt Hering-Hagenbeck.
Schuppentiere und Fledermäuse als Attraktion
Dafür soll sich das Warten lohnen. Das Regenwaldhaus erhält ein völlig neues Konzept. Während die äußere Hülle weitgehend erhalten bleibt, wird das Innere umfassend umgestaltet. Dafür mussten unter anderem Wände verändert und das Heizsystem angepasst werden, was die Arbeiten zusätzlich erschwerte. Zu den tierischen Neuheiten zählen die vom Aussterben bedrohten Chinesischen Schuppentiere. "Das Schuppentier ist in Europa nur noch in drei anderen Zoos zu sehen", betont Hering-Hagenbeck gegenüber dem ORF.
Eine weitere Attraktion entsteht gleich daneben. In einer mehr als acht Meter hohen Anlage sollen Besucher künftig Blumenfledermäuse beobachten können. Dafür werden Tag und Nacht künstlich vertauscht. Während der Besuchszeiten herrscht in diesem Teil des Hauses eine nächtliche Regenwaldstimmung mit Mondlicht und Nebelschwaden. Die Fledermäuse, die derzeit im Terrarienhaus untergebracht sind, können dann beim Flug zu speziellen Nektartränken beobachtet werden.
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Auch neues Aquarium lässt auf sich warten
Geduld ist ebenso beim nächsten Großprojekt gefragt. Das geplante Artenschutz-Aquarium, das ursprünglich 2028 eröffnen sollte, dürfte nun erst 2029 fertig werden. Die Verzögerungen haben auch mit den besonderen Rahmenbedingungen in Schönbrunn zu tun. Der Tiergarten liegt in einem UNESCO-Weltkulturerbe. Neue Gebäude müssen daher einerseits modernen Anforderungen an die Tierhaltung entsprechen und sich andererseits in das historische Ensemble einfügen. Derzeit laufen entsprechende Abstimmungen mit den Behörden.
Zoodirektor verteidigt umstrittene Entscheidungen
Seit seinem Amtsantritt 2023 sorgte Hering-Hagenbeck allerdings nicht nur mit Bauprojekten für Schlagzeilen. Für Diskussionen führte etwa seine Ankündigung, den Tieren künftig keine Namen mehr geben zu wollen. Von dieser Linie rückt er nicht ab, stellt aber klar, dass es dabei ausschließlich um die öffentliche Kommunikation gehe. Die Tiere hätten sehr wohl Namen, diese sollten jedoch nicht als Marketinginstrument eingesetzt werden. Auch seine Haltung zum Besitz einer Großwaffe bleibt unverändert. Die entsprechende Bewilligung wurde vom Verwaltungsgerichtshof aufgehoben. Hering-Hagenbeck akzeptiert die Entscheidung, hält eine solche Waffe in einem zoologischen Garten aber weiterhin für notwendig. Im Ernstfall könne sie dazu dienen, ein Menschenleben zu retten.
Jubiläumsjahr könnte höhere Preise bringen
2027 steht dem Tiergarten ein besonderes Jubiläum bevor. Schönbrunn feiert sein 275-jähriges Bestehen. Neben der Eröffnung des Regenwaldhauses sollen weitere neue Tierarten für zusätzliche Besucher sorgen. Im Mittelpunkt steht dabei laut Hering-Hagenbeck der Artenschutz. Ob der Zoobesuch im Jubiläumsjahr auch teurer wird, ist noch offen. Eine neuerliche Anhebung der Eintrittspreise schließt der Direktor jedenfalls nicht aus.
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