Niemand weiß, was er sich dabei gedacht hat. Vermutlich nicht viel. Beim Unfallort werden später Kopfhörer gefunden, mit Musik im Ohr und unbekümmert schnell war Dienstagnachmittag ein junger Syrer (14) in Liesing in Wien verbotenerweise auf dem Gehsteig unterwegs, er hatte keinen Helm auf und ob er gebremst hat, als er bei der nächsten ungeregelten Kreuzung mit einer Seitenstraße der Erlaaer Straße auf den Zebrastreifen fuhr, ist nicht klar - ebenso wenig, welcher der beiden Lkw, die zum selben Zeitpunkt zu einer Baustelle in die Josef-Österreich-Gasse einbogen, den Burschen erfasst hat. Beide Lenker haben ihn nicht bemerkt, gingen ihrer Arbeit nach und waren voll entsetzt, als ihnen plötzlich auftauchende Polizisten erklärten, dass einer der beiden einen E-Scooter-Lenker angefahren haben muss. Der Schüler erlag in der Nacht im Spital seinen Verletzungen.
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Roller-Mädchen trugen alle keinen Helm
Ebenfalls mit dem Leben bezahlen musste die 12-jährige Jana aus NÖ ihren oder den Leichtsinn jener Verantwortlichen, die ihr den E-Scooter gekauft und ihr erlaubt haben müssen, damit herumzufahren: Die Gymnasiastin und talentierte Nachwuchsfußballerin aus Bergland (NÖ) war mit ihrer besten und gleichaltrigen Freundin aus St. Leonhard - die schwer verletzt wurde - an der Bogenhofkreuzung bei Oberndorf mit einem Firmenbus kollidiert. Wie es zu dem Crash kommen konnte, ist unklar; der Lenker soll noch eine Vollbremsung durchgeführt und versucht haben, auszuweichen, konnte den Zusammenstoß aber nicht verhindern. Beide Mädchen trugen keinen Helm.
Der Unfall der beiden Freundinnen erinnert aufs Haar an die Tragödie von Schlierbach ein davor in Oberösterreich: Dort ware Rosa und Lena (beide 14) an einem späten Nachmittag in den Sommerferien gemeinsam auf einem E-Scooter auf der Blumauer Straße unterwegs gewesen. Keine von beiden trug einen Helm. Der Roller prallte auf der Straße seitlich mit voller Wucht gegen ein Auto. Durch den heftigen Zusammenstoß wurden die zwei Dutzende Meter durch die Luft geschleudert. Trotz des tagelangen Kampfes der Intensivmediziner verstarb Rosa an ihren Kopfverletzungen. Ihre Freundin überlebte den Unfall schwer verletzt.
Mit 115 km/h gegen Stahltor gedonnert
Erwähnenswert, weil er auf seine Weise zeigt, wohin der ganze Scooter-Wahnsinn führt, ein E-Roller-Unfall kürzlich in Tulln: Ein 18-jähriger Wiener krachte am Donauradweg mit 115 km/h gegen ein massives Stahltor, das er zuvor übersehen hatte. Seinen Teufelsritt hatte der Raser mit einer GoPro-Kamera gefilmt, auch er hatte keinen Helm auf, zudem war die Beleuchtung des Gefährtns im Halbdunkel derart miserabel gewesen, dass er das zweiflügelige Stahltor nicht rechtzeitig erkannt hat. Der junge Mann wurde noch vor Ort in künstlichen Tiefschlaf versetzt und danach ins Universitätsklinikum St. Pölten geflogen.
Das muss kommen: Mehr Kontrollen, Schulung, Scooter-Ausweis und Beschlagnahme
Nach der Serie von Todesfällen, der massiven Häufung von Unfällen und den täglichen unliebsamen Begegnungen von anderen Verkehrsteilnehmern und Fußgängern mit den e-motorisierten Spaßfahrzeugen - angemerkt seien auch umherziehende (Jugend-)Banden in den Städten, die damit in Windeseile nach ihren Untaten davonbrausen - werden jetzt täglich Forderungen nach weiteren Maßnahmen und Beschränkungen laut: Kaum allein zielführend ist zum Beispiel der Vorschlag, die Bauartgeschwindigkeit von 25 auf 20 zu senken, wo doch bei allen aus Fernost und per Amazon & Co. gelieferten Geräten 40 km/h die Untergrenze ist. Hier müssten Einfuhrbeschränkungen kommen und der Zoll sollte sich die Päckchen genauer anschauen, ob die Ware darin unseren Gesetzen entspricht.
Dazu wäre auch ein E-Scooter-Fahrausweis (analog zum Radfahrausweis, allerdings mit höherem Alter) wichtig und Fahren ohne (Ein-)Schulung sollte überhaupt verboten werden. Dort könnte man zum Beispiel lernen, dass E-Roller auf Gehsteigen gar nichts verloren haben, ein Licht benötigen, Bremsen haben müssen, dass nur einer damit rumgurken darf und das bitte weniger unterbelichtet und rücksichtsvoll. Und: Ohne (Polizei-)Kontrollen helfen die schärfsten Regeln nichts und wer gar nicht hören mag, dem soll sein Untersatz abgenommen, beschlagnahmt, versteigert oder im Extrem-Fall vernichtet werden.
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