oe24: Herr Katzer, die Rapid-Anleihe ist mit enormem Echo gestartet. Haben Sie auch "zugeschlagen"?
Markus Katzer: Die enorme Nachfrage freut mich sehr. Sie zeigt, wie viele Menschen nicht nur Fans oder Mitglieder sind, sondern ganz bewusst Teil des großen Ganzen sein und zur Entwicklung von Rapid beitragen wollen. Dieses Vertrauen bedeutet uns als Klub sehr viel und macht mich persönlich stolz.
Selbstverständlich habe auch ich die Rapid-Anleihe gezeichnet. Ich finde das Produkt wirklich cool und bin davon überzeugt. Und wenn wir als Verein so ein Projekt auf den Weg bringen, ist es für mich auch selbstverständlich, selbst mitzumachen und damit ein entsprechendes Zeichen zu setzen.
oe24: Sie zählen zu den prägendsten Sportdirektoren der Liga. Ihr Vertrag in Hütteldorf läuft bis Ende 2027 – welche persönlichen Ziele wollen Sie sich in Ihrer Manager-Karriere noch erfüllen? Reizt Sie nach Rapid der Schritt ins Ausland oder eine Rolle beim Nationalteam?
Markus Katzer: Ich denke momentan überhaupt nicht darüber nach, was nach Rapid kommen könnte. Dafür ist die Aufgabe hier viel zu reizvoll. Seit Jänner 2023 haben wir sehr viel verändert, aber unsere Arbeit ist noch nicht abgeschlossen. Mein Ziel ist es, Rapid sportlich so aufzustellen, dass der Verein nachhaltig erfolgreich sein kann. Ich habe hier noch sehr viel vor und freue mich auf die Aufgaben und Möglichkeiten, die vor uns liegen.
“Und wenn man bis zum Ende vorne mitmischt, ist natürlich auch nicht ausgeschlossen, dass man auch ganz vorne stehen kann.”
Markus Katzer über die Chancen auf den Meistertitel
oe24: Wenn wir das Sportjahr am Ende dieser Saison bilanzieren: Welche konkrete Schlagzeile über den SK Rapid würde Sie im Mai 2027 persönlich am meisten stolz machen?
Markus Katzer: Mein Wunsch ist, dass wir über eine gesamte Saison den Fußball zeigen, den wir sehen wollen: aktiv, mutig und offensiv, mit einer klaren Idee im Ballbesitz, Lösungen gegen tiefstehende Gegner und vielen herausgespielten Torchancen. Gleichzeitig müssen wir möglichst von Verletzungen verschont bleiben. Gerade hier haben wir gegenüber den vergangenen Jahren riesige Schritte nach vorne gemacht. Das Trainerteam rund um Johannes (Anmerkung: Rapid-Trainer Johannes Hoff Thorup) arbeitet bei Belastungssteuerung, Prävention und körperlicher Entwicklung auf einem sehr hohen Niveau. Wenn wir unsere Leistung konstant auf den Platz bringen, bin ich überzeugt, dass wir bis zum Schluss ganz vorne dabei sein können. Und wenn man bis zum Ende vorne mitmischt, ist natürlich auch nicht ausgeschlossen, dass man auch ganz vorne stehen kann.
oe24: In Ihrer bisherigen Amtszeit gab es einige personelle Wechsel auf der Trainerbank. Welcher Fußball-Stil soll den SK Rapid unter Johannes Hoff Thorup nachhaltig prägen und woran messen Sie den Erfolg dieser Spielidee?
Markus Katzer: Als ich im Jänner 2023 begonnen habe, war für uns entscheidend, zuerst zu definieren, wie wir Fußball spielen wollen. Diese Spielidee war auch bei den bisherigen Trainerentscheidungen ein wesentlicher Faktor. Trainer, Spielidee und Kader müssen zusammenpassen – und Johannes Hoff Thorup ist es sehr schnell gelungen, diese Übereinstimmung auf den Platz zu bringen und unsere Spielidee in der Mannschaft nachhaltig zu etablieren. Wir wollen aktiv, mutig und intensiv spielen, hoch attackieren und aggressiv gegen den Ball arbeiten. Nach Ballgewinnen wollen wir schnell umschalten. Ist das nicht möglich, wollen wir den Ball kontrollieren, dominant auftreten und Lösungen gegen tiefstehende Gegner finden. Die Entwicklung ist sichtbar: mehr Spielkontrolle, bessere Lösungen im Ballbesitz und ein deutlich höheres körperliches Niveau. Entscheidend ist, dass man unabhängig vom Gegner erkennt, wie Rapid Fußball spielen will.
oe24: Rapid will attraktiven Offensivfußball bieten, musste in den letzten Jahren aber immer die Dreifach-Belastung bewältigen. Könnte man heuer "leichter" eine Liga-Top-Platzierung erreichen, da man nicht im Europacup vertreten ist?
Markus Katzer: Klar ist, dass wir uns sehr gerne für die Ligaphase qualifiziert hätten. Insgesamt haben wir aus meiner Sicht auch eine richtig gute Qualifikation gespielt – mit Ausnahme der zweiten Halbzeit gegen Hearts. Jetzt können wir uns voll auf Meisterschaft und Cup konzentrieren. Aus den vergangenen Jahren wissen wir, wie enorm die zusätzliche internationale Belastung ist: mehr Spiele, weniger Regeneration und weniger Trainingszeit. Natürlich hätten wir diese Belastung gerne angenommen. Jetzt nehmen wir die Situation so, wie sie ist, und werden bestmöglich damit umgehen.
“Hinzu kommt, dass öffentlich kolportierte Ablösesummen oft nicht den tatsächlichen Zahlen entsprechen.”
Markus Katzer über die Millionen-Transfererlöse
oe24: Der Kaderwert konnte unter Ihrer Regie deutlich gesteigert werden, dazu wurden hohe Transfererlöse erzielt. Wie viel von diesem eingenommenen Geld fließt direkt wieder in die sportliche Qualität der Mannschaft und wo stößt Rapid finanziell an Grenzen?
Markus Katzer: Manchmal entsteht der Eindruck: Ein Spieler wird um mehrere Millionen verkauft und dieses Geld kann eins zu eins wieder investiert werden. Dabei haben wir ein nationales Defizit zu schließen, das wir im Wesentlichen durch Transfererlöse und/oder Einnahmen aus internationalen Bewerben ausgleichen müssen. Deshalb war es für uns essenziell, den Kaderwert in den vergangenen Jahren deutlich zu steigern und letztlich zu verdoppeln. Unser Ziel muss sein, dieses Defizit möglichst mit einem Verkauf schließen zu können, statt jedes Jahr mehrere Stammspieler abgeben zu müssen. Wir konnten den Kern der Mannschaft halten und gezielt verstärken. Das ist enorm wichtig, denn je größer die Fluktuation, desto mehr Spieler müssen integriert werden – und bei keinem Transfer weiß man zu hundert Prozent, wie schnell ein Spieler funktioniert. Hinzu kommt, dass öffentlich kolportierte Ablösesummen oft nicht den tatsächlichen Zahlen entsprechen. Aus unserer Erfahrung muss man bei Transfers außerdem mit rund 25 bis 30 Prozent an Nebenkosten und Beteiligungen rechnen – etwa Beraterkosten oder Weiterverkaufsbeteiligungen. Unser Weg ist deshalb klar: Spieler früh erkennen, entwickeln, ihren Marktwert steigern und gleichzeitig vorausschauend planen. Romeo Amane haben wir bereits mit Blick auf einen möglichen Abgang von Sangaré verpflichtet. Yusuf Demir kam bewusst schon im Winter, damit er sechs Monate Zeit zur Entwicklung hat. Auch auf den Flügeln haben wir vorausschauend gearbeitet: Auf Kühn folgte Jansson, auf Jansson Dahl. Mit Daniel Nunoo und Moulaye Haidara haben wir zudem Spieler über Rapid II entwickelt, die uns bereits jetzt auf diesem Niveau helfen und perspektivisch Leistungsträger werden können.
oe24: Sie setzen vermehrt auf internationale Talente mit hohem Weiterverkaufswert. Läuft Rapid damit nicht Gefahr, die eigene rot-weiß-rote Identität und den Kern aus routinierten Führungsspielern zu verlieren?
Markus Katzer: Nein, wenn man es richtig macht. Unsere Akademie bleibt ein zentraler Bestandteil unserer Strategie. Deshalb wollen wir Akademie, Rapid II und Profimannschaft noch enger verzahnen. Genau deshalb haben wir auch Wolfgang Fiala als Technischen Direktor geholt. Er beginnt am 1. Oktober und soll dabei helfen, die Übergänge und Entwicklungswege unserer jungen Spieler noch klarer zu strukturieren. Der internationale Markt ist für uns keine Konkurrenz zur Akademie, sondern eine Ergänzung. In Afrika suchen wir beispielsweise gezielt nach jungen Spielern mit großem Entwicklungspotenzial und überschaubaren Ablösesummen. Moulaye Haidara, Daniel Nunoo, Keneth Bonsu und Ousmane Thiero sind Beispiele dafür. Entscheidend ist die Balance: Wir wollen keinem eigenen großen Talent den Weg verbauen. Wir brauchen eigene Spieler, österreichische Identität, erfahrene Führungsspieler und internationale Talente.
oe24: Kritiker werfen der Mannschaft phasenweise Schwankungen gegen vermeintlich kleine Gegner vor. Welches Profil hat gefehlt – oder fehlt noch –, um diese Inkonstanz endgültig abzustellen?
Markus Katzer: Ich glaube nicht, dass man das an einem einzelnen Spielerprofil festmachen kann. Konstanz entsteht aus Qualität, Erfahrung, körperlichem Niveau, Automatismen und einer Mannschaft, die über längere Zeit zusammenspielt. Genauso entscheidend ist ein funktionierendes Trainerteam, das eine klare Spielidee vermittelt, die Spieler individuell weiterentwickelt und es schafft, dass die Mannschaft diese Idee immer stärker verinnerlicht. Deshalb war es für uns im Sommer so wichtig, den Kern zusammenzuhalten. Unser Ansatz war bewusst: gezielt verstärken, aber nicht alles verändern.
“Eigene Spieler benötigen keine Millionenablöse, haben zunächst eine andere Gehaltsstruktur und gleichzeitig großes Entwicklungspotenzial.”
Markus Katzer über Nachwuchsförderung beim SK Rapid
oe24: Die Rapid-Akademie gilt als Vorzeigebetrieb, aber der Sprung zu den Profis ist riesig. Wie zufrieden sind Sie mit der aktuellen Durchlässigkeit aus Rapid II in die Bundesliga-Startelf?
Markus Katzer: Unsere Akademie ist essenziell für unsere langfristige Strategie. Wenn Rapid sportlich und wirtschaftlich nachhaltig erfolgreich sein will, müssen wir eigene Spieler entwickeln und ihnen eine echte Perspektive in der Profimannschaft geben. Dass dieser Weg funktioniert, zeigt unser aktueller Kader: 15 Spieler der ersten Mannschaft haben ihren Entwicklungsweg über unsere Akademie und/oder Rapid II genommen. Rapid II spielt dabei eine zentrale Rolle. Dort machen junge Spieler den Schritt in den Erwachsenenfußball und können sich für die erste Mannschaft empfehlen. Auch wirtschaftlich ist das enorm wichtig: Eigene Spieler benötigen keine Millionenablöse, haben zunächst eine andere Gehaltsstruktur und gleichzeitig großes Entwicklungspotenzial. Unser Ziel ist es, regelmäßig eigene Spieler in der ersten Mannschaft zu etablieren und sie so weiterzuentwickeln, dass sie sich mit ihren Leistungen für größere europäische Ligen interessant machen.
oe24: Abschlussfrage: Wenn Sie Ihren kritischsten Wegbegleitern ein einziges Argument nennen müssten, warum der SK Rapid unter Markus Katzer auf dem absolut richtigen Weg ist – welches wäre das?
Markus Katzer: Weil die Fortschritte klar erkennbar sind: Wir haben eine klare Spielidee entwickelt, für mehr Kontinuität gesorgt, den Kaderwert deutlich gesteigert und mit Johannes (Anmerkung: Rapid-Trainer Johannes Hoff Thorup) einen modernen Trainer, der hervorragend zu unserem Weg passt. Wir setzen auf Akademie und Rapid II, entwickeln junge Spieler und planen unseren Kader vorausschauend. Wir sind noch nicht am Ziel, aber wir haben einen klaren Weg – und den wollen wir konsequent weitergehen.
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