Schifffahrt gestoppt

Historischer Tiefstand: Bodensee trocknet dramatisch aus

Mehrere Boote liegen bei niedrigem Wasserstand am Bodensee teils auf dem Trockenen.
© APA/onw-images/Marius Bulling
Der Bodensee leidet unter einem beispiellosen Niedrigwasser, das weite Uferbereiche freilegt und Schiffe stranden lässt. Weil der Wasserstand mehr als einen Meter unter dem langjährigen Durchschnitt liegt, musste der Schiffsverkehr im Untersee nun bis auf Weiteres eingestellt werden.
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Die Lage am größten See im Dreiländereck zwischen Österreich, Deutschland und der Schweiz spitzt sich mit jedem Tag weiter zu. Wo normalerweise Ausflugsschiffe und Segelboote kreuzen, blickt man derzeit auf schlammigen Seegrund und auf Grund gelaufene Boote. Bei den Messstationen reiht sich ein Negativwert an den nächsten. Bereits im Juli wurde ein historischer Tiefstwert geknackt, und auch im Herbst setzt sich dieser besorgniserregende Abwärtstrend ungebremst fort.

Die offiziellen Daten der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) verdeutlichen den Ernst der Lage an der Messstelle Konstanz:

  • Am Sonntagmittag um 12:32 Uhr lag der Pegel bei lediglich 250 Zentimetern.
  • Damit lag der Wasserstand dramatische 106 Zentimeter unter dem langjährigen Mittelwert von 356 Zentimetern für einen 4. Oktober.
  • Am darauffolgenden Montagnachmittag um 16:00 Uhr sackte der Wert noch weiter auf 248 Zentimeter ab.
  • Die Experten der LUBW rechnen wegen der anhaltenden Trockenheit und des jahreszeitlichen Verlaufs mit einem weiteren Absinken.

Schifffahrt im Untersee kollabiert: Wichtige Anlegestellen gesperrt

Die Folgen des Extrem-Niedrigwassers treffen den Tourismus und die regionale Schifffahrt mit voller Wucht. Die Sprecherin der Stadtwerke Konstanz, Teresa Gärtner, betonte den Ausnahmecharakter dieser Krise: Noch nie zuvor in der Geschichte der modernen Aufzeichnungen sei der Sommer-Pegelstand des Gewässers so massiv eingebrochen.

Für die Tochtergesellschaft, die Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH (BSB), sind reguläre Fahrten stellenweise technisch unmöglich geworden:

  • Der Schiffsverkehr im gesamten Untersee musste bis auf Weiteres komplett gestoppt werden.
  • Bekannte Anlegestellen wie Radolfzell, Iznang, Mannenbach und die beliebte Insel Reichenau können von den Passagierschiffen nicht mehr angefahren werden.
  • Auf den verbleibenden Routen bemüht sich das Unternehmen gemeinsam mit Partner-Reedereien, den Fahrplan zu halten, warnt Fahrgäste jedoch vor Verspätungen und Ausfällen.

Sommerhitze und Schneemangel: Wie die Dürre-Katastrophe entstand

Die Ursachen für das Verschwinden des Wassers sind eine verheerende Verkettung mehrerer klimatischer Faktoren. Der vergangene Sommer brachte langanhaltende Hitzewellen mit Spitzenwerten von bis zu 40 Grad, wodurch unvorstellbare Mengen an Seewasser schlichtweg verdunsteten.

Erschwerend kommt hinzu, dass im vergangenen Winter in den tieferen Lagen der Alpen kaum Schnee gefallen ist. Dadurch fehlte im Frühjahr und Sommer das lebenswichtige Schmelzwasser. Der Alpenrhein, der als wichtigster Hauptzufluss den Bodensee speist, führte nach Angaben der LUBW über Monate hinweg viel zu wenig Wasser. Diese Dürrekrise beschränkt sich keineswegs nur auf den See: Auch der Rhein leidet unter historischem Niedrigwasser, was sowohl der Frachtschifffahrt als auch Flusskreuzfahrten massive Probleme bereitet.

Experten-Ausblick: Keine Entwarnung vor dem Frühjahr

Eine rasche Trendwende ist nach Einschätzung von Wetter- und Klimaexperten absolut ausgeschlossen. Zwar kündigt sich ab diesem Donnerstag ein markanter Temperatursturz mit Regenschauern an, doch diese Niederschläge gleichen lediglich einem Tropfen auf den heißen Stein.

Klimatologe Karsten Brandt dämpft verfrühte Hoffnungen auf eine schnelle Normalisierung: "Wenn alles gut läuft, könnte der Bodensee im März 2027 wieder genügend Wasser haben. Damit aber der Pegelstand steigt, muss es im Herbst stark regnen, und wir brauchen einen feucht-milden Winter." Sollten diese ausgiebigen Regengüsse ausbleiben, droht der See im kommenden Jahr in einen verhängnisvollen Teufelskreis aus erneuter Verdunstung und noch tieferen Pegelständen zu geraten.

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