Gegen Massentourismus

"Region ruiniert" - Messner fordert Zeit-Slots in den Bergen

Ein älterer Mann mit Mikrofon spricht auf einer Bühne vor hellem Hintergrund.
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Der Massentourismus in den Alpen bereitet Reinhold Messner zunehmend Sorgen.
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Die Bergsteigerlegende warnt vor überfüllten Wanderwegen, verstopften Straßen und den Folgen des Social-Media-Booms. Um besonders stark besuchte Ausflugsziele zu entlasten, schlägt der 82-Jährige ein digitales Buchungssystem mit festen Zeitfenstern vor. Auch für Österreichs Tourismusregionen ist die Debatte über den Umgang mit Besucherströmen längst ein wichtiges Thema.

In einem Interview mit dem "Corriere dell’Alto Adige" kritisierte Messner, dass bekannte Landschaften wie die Dolomiten zunehmend zu einem "Konsumgut" würden. Die Natur werde zum Ziel eines kurzfristigen Ausflugs, bei dem für viele Besucher vor allem das perfekte Foto zähle. Die Folgen seien überlastete Straßen und eine zunehmende Belastung der Umwelt. Gleichzeitig profitiere das örtliche Gewerbe von diesen Tagesgästen seiner Ansicht nach nur wenig.

Messner will Besucherströme besser verteilen

Besonders kritisch sieht der Südtiroler den Einfluss sozialer Medien. Influencer würden immer mehr Menschen zu bekannten Aussichtspunkten locken und damit zur Überlastung beliebter Regionen beitragen. Die Alpinlegende wirft ihnen vor, mit ihrer Berichterstattung "die Region ruiniert" zu haben.

Sein Vorschlag: Ein digitales Reservierungssystem mit festen Zeit-Slots soll den Zugang zu stark frequentierten Ausflugszielen besser steuern. Dabei gehe es Messner nicht grundsätzlich darum, weniger Urlauber in die Alpen zu bringen. Vielmehr sollen sich die Besucher über das Jahr und die verschiedenen Gebiete verteilen, damit einzelne Hotspots nicht unter dem Ansturm zusammenbrechen.

Ein älterer Mann mit grauem Haar sitzt auf einem Felsen vor Berglandschaft und Steinmauer.
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Ein Beispiel für solche Maßnahmen gibt es bereits in der Schweiz: Am Oeschinensee bei Kandersteg wird versucht, die Besucherströme gezielter zu lenken. Auch in Österreich stellt sich angesichts stark besuchter Ausflugsziele die Frage, wie Naturerlebnis und Massentourismus besser miteinander vereinbart werden können.

Unerfahrene Wanderer als zusätzliches Risiko

Neben den ökologischen Folgen beschäftigt Messner auch die Sicherheit am Berg. Immer mehr Menschen würden sich von Bildern und Videos in sozialen Medien zu Wanderungen verleiten lassen, ohne die notwendigen Kenntnisse und Erfahrungen mitzubringen.

"Meistens sind es Leute, die den Influencern folgen und dann irgendwo herunterfallen, weil sie eben keine Ahnung haben", warnte der Extrembergsteiger bereits früher. Gerade in anspruchsvollem Gelände könnten fehlende Vorbereitung und eine falsche Einschätzung der eigenen Fähigkeiten gefährlich werden.

Messner fordert deshalb einen bewussteren Umgang mit den alpinen Landschaften. Unberührte Gebiete dürften nicht vollständig dem Erlebnistourismus geopfert werden. Gleichzeitig hatte er in einem früheren Gespräch mit dem Fachmagazin "bergundsteigen" betont, dass das "Herumklettern in den Bergen nie verboten werden sollte".

Auch Österreich steht vor der Herausforderung

Die Diskussion betrifft nicht nur Südtirol und die Dolomiten. Auch in Österreich müssen beliebte Wandergebiete und touristische Ausflugsziele mit dem Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Interessen, Naturschutz und Sicherheit umgehen. Zeitfenster und digitale Reservierungen könnten dabei helfen, Besucher besser zu verteilen. Wie wirksam solche Systeme sind, hängt allerdings von der jeweiligen Region und der konkreten Umsetzung ab.

Ausgerechnet Messner, der mit seinen Expeditionen Generationen für die Berge begeistert hat, warnt heute vor den Folgen dieses Erfolgs. An seiner grundsätzlichen Begeisterung für die Natur hat sich jedoch nichts geändert. Ihm geht es darum, die Bergwelt zu bewahren und zu verhindern, dass aus dem Naturerlebnis ein reines Konsumprodukt wird.

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