Prozess

Totes Baby an Grenze: Mutter (18) vor Gericht

Gerichtssaal mit mehreren Angeklagten, Polizisten und unscharf dargestellten Gesichtern.
© APA/JUDITH HÖGERL
Am Landesgericht Eisenstadt hat am Mittwoch der Prozess um das tote Neugeborene, das im vergangenen Jänner am Grenzübergang Nickelsdorf (Bezirk Neusiedl am See) gefunden worden war, begonnen.
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Angeklagt sind die damals erst 17-jährige Mutter des Babys wegen Tötung eines Kindes bei der Geburt sowie ihre Schwester, ihr Schwager, ihr Bruder und ihre Mutter wegen Beteiligung an einem Mord. Sie bekannten sich nicht schuldig.

Laut Staatsanwaltschaft sollen die fünf Angeklagten gemeinsam in einem Kleinbus von Rumänien nach Deutschland unterwegs gewesen sein, als bei der mittlerweile 18-Jährigen die Wehen einsetzten. Die Familie blieb deshalb auf dem Parkplatz einer Tankstelle beim Grenzübergang stehen, wo das Baby noch im Auto zur Welt kam. Die Mutter soll das Neugeborene dann, noch unter Einwirkung des Geburtsvorganges, gewürgt und erschlagen haben.

Mehrere Justizbeamte begleiten Angeklagte in Handschellen in einem Gerichtssaal.
© APA/JUDITH HÖGERL

Junge Mutter legte totes Baby hinter Trafostation ab

Auf einem Überwachungsvideo ist laut Staatsanwaltschaft zu sehen, wie die 18-Jährige den Kleinbus kurz nach 22.00 Uhr mit einer Tasche verlässt und von ihrer Mutter zu einer Trafostation gelotst wird, hinter der am nächsten Tag zwei Zeugen das tote Baby fanden. Die anderen Familienmitglieder sollen während der Geburt aufgepasst und die Erstangeklagte abgeschirmt haben. Danach sind sie auf dem Video unter anderem beim Entsorgen einer blutigen Matratze zu sehen, erläuterte die Staatsanwältin.

Eine Obduktion ergab, dass das Mädchen "gesund und reif entwickelt" war. Es dürfte zumindest mehrere Minuten gelebt haben und dann an einem Schädel-Hirn-Trauma gestorben sein. Unter anderem wurden ein Schädelbruch und Einblutungen im Gehirn festgestellt.

Familie will Geburt nicht bemerkt haben

Die Angeklagten gaben an, die damals 17-Jährige habe ihre Schwangerschaft vor den anderen verheimlicht und das Baby alleine zur Welt gebracht. Mutter, Schwester, Bruder und Schwager hätten davon nichts mitbekommen. Das Blut hätten sie sich mit einer starken Regelblutung erklärt. Die junge Mutter sagte außerdem, das Kind sei bereits tot zur Welt gekommen. Die Kopfverletzungen seien beim Ablegen entstanden, wo ihr das Baby aus der Hand gefallen sei.

Dieses Szenario bezeichnete die Staatsanwältin als "denkunmöglich". Ein älterer Mann, der auf den Videoaufnahmen ebenfalls im Kleinbus zu sehen sei, habe bisher nicht ausgeforscht werden können.

Der 18-Jährigen drohen bei einer Verurteilung bis zu zweieinhalb Jahre Haft. Ihre Verwandten könnten zu zehn bis 20 Jahren verurteilt werden, mit Ausnahme des 20-jährigen Bruders auch zu lebenslanger Haft. Der Prozess ist vorerst für zwei Tage angesetzt. Am Donnerstag könnte es ein Urteil geben.

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